Friday, 18.05.2012

Werde ich betrogen?

Blog-22.-7.-2011

1.

Ich bin eingeladen.

Mir wird Wein eingeschenkt.

Ich erfahre nicht, dass er billig ist.

Vor dem ersten Schluck, beim Warten auf weitere Gäste, wird in der Runde unter anderem darüber gesprochen, welch edlen, teuren Tropfen wir beim großzügigen Hausherrn gleich würden probieren dürfen.

Dann ist es soweit. Alle sind eingetroffen. Wir erheben das Glas, trinken den teuren Wein auf den Gastgeber und schmecken tatsächlich seine vorher gepriesene Kostbarkeit.

Nicht mit den Geschmacksknospen der Zunge.

Sie schweigen. Dafür ist das mittlere Stirnhirn aktiv, hat die Macht an sich gerissen. Es glaubte den gehörten hohen Preis, schaltete sich ein und veränderte den Geschmackseindruck. Es machte gut, was teuer sein sollte.

2.

Ich habe Schmerzen, bin chronisch krank.

Ich habe das Glück,

in eine Studie einbezogen zu werden, in der ein sehr teures, innovatives Medikament zur Schmerzbekämpfung geprüft wird. Was ich nicht erfahre, ist, dass ich zu der Gruppe gehöre, der Placebos verabreicht werden – gleich aussehende Pillen ohne Wirkstoff.

Nun bin ich ein Mensch, der an den Erfolg der Wissenschaft, an den Fortschritt glaubt. Ich bin überzeugt davon, dass die Neuentwicklung mit hohem Preis helfen muss und wird, dass die Investition nicht umsonst sein würde. Ich schlucke zuversichtlich die verabreichten Pillen und

verliere tatsächlich meine Schmerzen.

Meine Hoffnung, meine großen Erwartungen haben sich erfüllt. Sie erreichen, dass das Hirn die Schmerzen beseitigt – durch Opiate, die es selbst gegen sie ausschüttet…

Das Post zum Thema: Werde ich betrogen?

wird Montag fortgesetzt.

Foto: Claudia Hautumm/ pixelio.de

Studienergebnisse aus Warum wir kaufen, was wir kaufen von Eva Tenzer, Psychologie heute, S. 38 -41, Mai 2010.



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