Sunday, 28.05.2017

Wenn die Liebe adieu sagt

Wer wünscht sich nicht die große Liebe?

Wer hofft nicht, eine Partnerin, einen Partner zu finden, mit dem alles perfekt sein wird. Und was wird dann, wenn der Traummann, die Traumfrau gefunden zu sein scheint, nicht alles an Zeit und Geld in die Hochzeit investiert, damit alles, aber auch alles dafür getan ist, dass dieser Tag unvergesslich und zum schönsten Tag im Leben,

ja zur Krönung der Liebe,

werden kann?

Doch obwohl der Himmel im verliebten Zustand voller Geigen hängt,

obwohl alles passt und noch zur Hochzeit das Glück geradezu gepachtet scheint,

landen 30 – 35 % der Paare später vor dem Scheidungsrichter und werden anlässlich ihrer Scheidung mehr oder weniger in Abgründe gestürzt.

Nicht wenige fühlen sich dann,

wenn die Liebe gestorben ist,

als totale Versager, werden Tag und Nacht von Reue und Schuldgefühlen geschüttelt, verzweifeln an ihrer Situation, werden depressiv.

Damit es anders läuft, wird denjenigen, die das zum Massenphänomen gewordene, jedoch äußerst schmerzhafte Problem Trennung ganz individuell bewältigen müssen, von Sozialpsychologen empfohlen,

Selbstmitgefühl gegen den Scheidungsstress zu erlernen

und gegenüber sich selbst nachsichtig zu werden – statt sich blind dem Schmerz zu ergeben und den aktuellen Gefühlen ohne jeden Puffer auszuliefern.

Distanz gegenüber den eigenen Gefühlen, Nachdenken über das, was gewesen ist,

statt Selbstvorwürfen und Abgleiten in zerstörerische Grübeleien schützen davor, von der Trennung aus der Bahn geworfen zu werden oder über zu lange Zeit unter Stresssymptomen zu leiden wie z. B. Nervosität, Gereiztheit, Schlaflosigkeit usw.

Sich selbst zu verzeihen hilft der Psyche enorm,

lässt schneller und besser verarbeiten und wieder nach vorn blicken. Am besten geht es den Opfern von Trennung und Scheidung, wenn sie die Nachsicht gegenüber den eigenen Versäumnissen und Fehlern

noch mit dem Wissen kombinieren,

dass nicht nur sie selbst, sondern ein Drittel der Menschen in den westlichen Industrieländern mit dieser Katastrophe leben muss.

Wenn sie ihren Schmerz also relativieren

und daraus so etwas wir eine philosophische Haltung zu ihrem individuellen Erleben entwickeln in der Art, dass Niederlagen, nicht wieder gut zu machende Fehler und Trennung nämlich ganz normal zum Erfahrungshorizont des Menschen gehören.

Wer dieses Mitgefühl mit sich selbst entwickeln konnte,

kommt nicht nur in der Trennungsphase besser und schneller mit dem Trauma klar, sondern bekommt die Tatsache, dass es einen gravierenden Bruch in seinem Leben gibt, auch

auf Dauer besser unter die Füße.

Quelle: Heiko Ernst So etwas passiert eben manchmal, Psychologie heute , August 2012, S. 8,9

Foto zu Wenn die Liebe adieu sagt: Stephan Schmied  / pixelio.de



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