Wednesday, 22.02.2012

Tagträume

tagtraume

Sie sind verpönt, gelten als Zeitverschwendung.

Die Tüchtigen unter uns verdächtigen sie als etwas, das vom notwendigen Leistungserbringen abhält und unverzeihliche Unkonzentriertheit verursacht.

Aber es verhält sich erstaunlicherweise anders herum:

Forscher konfrontieren uns damit, dass der Durchschnittsbürger

unglaubliche 40 bis 50 Prozent seiner täglichen wachen Zeit mit Tagträumen verbringt.

Er lässt es sich nicht nehmen, immer wieder einen,  – seinen -,  inneren Zufluchtsort aufzusuchen, ins Reich der Fantasie, ja die Welt seiner Sehnsüchte und Wünsche abzutriften.

Und genau dieser Hang zur kleinen Realitätsflucht soll dafür verantwortlich sein,

dass wir geistig, psychisch gesunde und unverwechselbare Persönlichkeiten bleiben. Er hilft uns dabei, nicht zu verzweifeln, unser seelisches Gleichgewicht nicht zu verlieren,

von Freizeit-, Ablenkungsindustrie und Medien nicht zu sehr manipuliert zu werden,

uns nicht in Äußerlichkeiten zu erschöpfen, die uns ähnlicher bis gleich machen.

Der Tagtraum, dieser vom Arbeitgeber nicht vorgesehene, aber immer wieder praktizierte Müßiggang, das sich wiederholende, kurzzeitige nicht bei der Sache sein, sorgt auch dafür, dass wir im Alltag nicht nur nach Schema F arbeiten, sondern kreativ bleiben. Oder dafür, dass wir nicht aggressiv werden, weil

Tagträume trösten, Balsam sind für die Wunden, die die Realität immer wieder reißt.

Sie sind ein emotionaler Temperaturregler und auch ein geistiges Übungsfeld, ein vorweg genommenes Gedankenspiel für alle anstehenden Veränderungen, die nach dem durchlaufenen Training besser gelingen.

Was uns also durch den Kopf geht, was uns abschweifen lässt, was wir uns über uns selbst für Geschichten erzählen -

es macht uns lebenstauglicher

und jeweils wieder fit für unsere langfristigen Aufgaben. Es nimmt uns Furcht vor der Zukunft, nähert uns unseren Wünschen an, macht uns ausgeglichener und einfallsreicher.

Tagträume sind eine eindeutig unterschätzte Leistung des Gehirns.

Sie müssen gesellschaftlich aufgewertet werden und man darf ihnen besten Gewissens häufig erliegen, wenn man nicht gerade Chirurg, Fernfahrer oder ähnliches ist.

Foto zu Tagträume: Angelina Ströbel / pixelio.de

Forschungsergebnisse: aus Psychologie heute, August 2011, Heiko Ernst Unser persönliches Paralleluniversum, S. 3  und Ich bin mal kurz weg! Warum wir mehr tagträumen sollten, S. 20 -28.



Dein Kommentar

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Styleagent