Saturday, 16.12.2017

Mit Haut und Haar

Mit Haut und Haar

Wenn sich jemand einer Sache mit Haut und Haar verschrieben hat, gelingt ihm meist Beachtliches.

Wenn jemand etwas – wie man auch sagt -, mit Leib und Seele tut, spüren das die anderen. Es strahlt etwas aus von dem, was entsteht.

Da werden keine großen Worte gemacht, da wird nichts übertrieben.

Da hat es jemand nicht nötig, sich selbst ein Denkmal zu setzen.

Da geht es nur um die Sache.

Gert Wingardh, ein schwedischer Architekt, der beste seiner Berufsgruppe in Schweden, ist so einer, der sich in seiner Architektur ganz einbringt und dabei Respekt hat vor Traditionellem und Historischem. Einer, der dessen Wert erkennt, schätzt, achtet und einbezieht. Er gestaltet zurückhaltend,

bewahrt Kostbares, Unwiederbringliches und bestückt es mit zeitgemäßer Funktionalität.

Ihm ist bei allem, wofür er sich engagiert, lediglich gleichgültig, ob es um Privates oder Professionelles geht. Bei keinem Bauwerk legt er sich weniger ins Zeug.

Ich sah Bilder von seinem Sommerhaus, in dem er in einer Patchworkfamilie mit seiner Frau, fünf Kindern, seinen Eltern wohnt und war ein wenig außer mir.

Aus einem unauffälligen Haus in landestypischer Bauweise und landestypischen Farben baute er ein supermodernes Zuhause für die Großfamilie, dem man von vorn nicht ansieht, was in ihm steckt. Er

bewahrt die historische Bausubstanz, erhält das klassische, schwedische Rot, das Satteldach und die Holzfassade des ehemaligen “Soldatenhauses”.

Und holt das, womit Soldaten in früheren Jahrhunderten, genauer gesagt im 17. und 18., für ihren geleisteten Militärdienst entschädigt wurden, innen ins 21. Jahrhundert und in alle seine möglichen Raffinessen:

Nach hinten gibt es eine neun Meter in die Landschaft aus Wiesen, Felsen und Meer reichende  Veranda. Eine Hälfte des Hauses ist rückseitig mit einer riesigen, durch nichts unterbrochenen Glasfront bis fast unters Dach versehen. Sie bietet aus dem Wohn- und Schlafzimmer einen grandiosen Ausblick.

Es scheint, als gäbe es kein Glas, als würde man im Freien wohnen und schlafen.

Und wenn man schlafen will, gibt es einen Vorhang an einer gebogenen Deckenschiene, der es dunkeln lässt. Das Dach wurde um über einen Meter angehoben, was aber wiederum nur innen auffällt und die warme Wohnlichkeit weiter erhöht, in der im Schlafzimmer nicht einmal weiße italienische Designersessel fehlen.

Das Haus ist ein Traum.

Gern würde man mit am langen Esstisch aus Eiche sitzen

und die eindrückliche Landschaft meditieren und auch mehr von seinen Bewohnern erfahren.

Mir zeigt dieses Kunstwerk aus Altem und Neuen jedenfalls,

was an Wundern möglich ist, wenn jemand ganz bei der Sache ist, eine Passion hat.

Die Fakten fand ich in Architektur & Wohnen 4/09 S. 52 – 61 unter dem Titel “Sommerhaus mit zwei Gesichtern”.



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