Archiv für die Kategorie 'Sehenswerte Architektur'

Sein statt Schein

Berlin Reformationsfest 2009 007Ein riesiges Gebäude – in nüchterner Schönheit.

Wer den Bau nicht von innen kennt, wer nichts über ihn weiß, ahnt nicht, welch sehens- und erlebenswerte Pracht er verbirgt.

Ich war neugierig, besorgte mir online ein Ticket, fuhr nach Berlin, ging in das vor kurzem wieder eröffnete Neue Museum und bestaunte drinnen Nofretete, den “Berliner Goldhut”, den legendären, aber falschen Schatz des Priamos und und und.

Und während ich durch das von David Chipperfield tatsächlich Aufsehen erregend renovierte Haus ging, in unzähligen Räumen versuchte, wenigstens einen kurzen Blick auf jedes Ausstellungsstück zu werfen, immer fassungsloser und demütiger wurde angesichts der Vielfalt und des geradezu unendlichen Reichtums an Kostbarkeiten, kam ich ins Nachdenken darüber, dass ich mit Menschen immer wieder einmal das genaue Gegenteil erlebe von dem, was mir hier geschieht: Sie tun alles, um groß zu scheinen, wenden viel auf, um zu blenden, aber provozieren beim Blick hinter die Fassade nur herbe Enttäuschung.

Buß- und Bettag, 18.11.2009

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Faszination Schönheit

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Welch ein Ereignis!

Nach unendlich langer Bauzeit im und am Neuen Museum thront die “schönste Berlinerin”, die “Mona Lisa Berlins”, – die mandeläugige Pharaonin Nofretete wieder dort, – allein und majestätisch, im Nordkuppelsaal.

Ab 17. Oktober kann sie besucht werden – für die ersten zwei Tage sogar kostenlos.

1924 wurde die Schöne, die Rätselhafte erstmals im Neuen Museum ausgestellt und bereits 1943 ihres neuen Zuhauses durch Auslagerung wieder beraubt und dadurch gerettet. Denn ihr Berliner Haus, ein prächtiger Stülerbau, wurde zerstört, die Ruine verfiel.

Der britische Architekt David Chipperfield verwandelte bereits seit 1997 diese katastrophale Kriegsruine in einer “Glanzleistung” in ein eigenständiges Kunstwerk mit allen Narben der Geschichte, in dem nun an ausgesuchtem Ort, in ausgetüfteltem Licht die geheimnisvolle, sogar computertomografisch untersuchte und extrem berührungsempfindliche Königin herrscht – auch über die ägyptischen und frühgeschichtlichen Sammlungen.

Ich habe Sehnsucht nach Nofretete, – seit ich ihr 2005 im Neuen Forum erstmals begegnete und ihrer Ausstrahlung erlag …

Quellen: viele, in denen ich das Wiedererstehen des Neuen Museums über die Jahre verfolgte, stellvertretend nenne ich noch den Focus mit einem aktuellen Artikel.

Donnerstag, den 15.10.2009

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Deprimierende Verhältnisse?

vorher

Der Londoner Künstler James Reynolds weiß sie auf seine Weise umzukehren.

Er bebildert die Hinterlassenschaften der Wirtschaftskrise: trostlose, mit Spanplatten gesicherte und vernagelte Fenster und Türen.

nachher

Er verwandelt Beige in Farbe, heruntergekommene Fassaden in ansehnliche Häuserfronten, schafft so etwas wie Potemkinsche Dörfer, aber schützt die Menschen, die dort leben, vor Depressionen.

Viele Kritiker werden beanstanden, dass er damit den “tatsächlichen, verheerenden Zustand” der Gebäude verbirgt. Ich bin auf der Seite des Künstlers, denn: Es ist besser, ein kleines Licht anzuzünden, als über die Dunkelheit zu fluchen.

Die Fotos fand ich im iGnant Blog.
Bei dem Zitat handelt es sich um eine chinesische Weisheit.

Montag, den 12.10.2009

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Ein goldener Turm als Schatz für den Schatz der Gesellschaft

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Er überraschte mich am meisten, als ich auf der Zugfahrt von Leipzig nach Berlin in Luckenwalde ausstieg und nicht wie sonst immer nur einfach durchfuhr.

Ich wollte mir in einem Sommer ohne Urlaub eine kurze Auszeit nehmen und mir dazu die Stadt mit ihren Kirchen ansehen. Doch als ich auf den großen Bahnhofsvorplatz trat, um mich an dem dort ausgehängten Stadtplan zu orientieren, stutzte ich und schaffte es, anders als geplant, erst viel später zu den Kirchen.

Denn vor mir stand ein riesiger, sehr gut sanierter Prachtbau, ein sofort als ehemaliges Bahnhofsgebäude erkennbares, langgestrecktes Bauwerk der wilhelminischen Ära. Ich empfand es nach dem Blick auf eine Reihe ziemlich heruntergekommener Bahnhöfe an der Strecke Leipzig – Berlin, über Lutherstadt Wittenberg, als einen Lichtblick, aber wäre wohl recht schnell weitergegangen, wenn nicht das goldene Ende dieses riesigen Hauses mit seiner eigenwilligen Architektur meine Blicke gefesselt und meine Aufmerksamkeit erregt hätte.

Dieser Turm oder Kubus, bis auf die Fenster rundum eingekleidet von schuppenartig angeordneten Goldschindeln, und etwas windschief erscheinend, machte mich neugierig. Ich musste ihn von außen und innen erkunden. Aber er war von außen gar nicht zugänglich.

Um hineinzukommen, lief ich am gesamten Bahnhofsgebäude nach vorn, las erst jetzt “Stadtbibliothek” über dem Eingang und ging hinein.

Ich kam in die großzügige Atmosphäre einer äußerst modernen Bibliothek ohne jede Platznot, mit überzeugender Inneneinrichtung, mit Café und freundlichen Angestellten, die mir meine Fragen beantworten konnten und mich gern den gesamten Komplex anschauen ließen. So erfuhr ich, dass diese Verknüpfung von ehemals verfallendem Alten und beeindruckendem Neuen möglich wurde durch das Urban-Förderprogramm der Europäischen Gemeinschaft.

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Im goldenen Anbau ist die Kinder- und Jugendbibliothek untergebracht. Die Innenräume im Erdgeschoss sind als Lese- und Spiellandschaft für die Kinder gestaltet. Durch die riesigen Fenster zum Bahnhofsplatz werden sie öffentlich und vermitteln den Eindruck, dass er insgesamt mit zur Verfügung steht.

In der ersten Etage befinden sich die loungeartig eingerichteten Räume für die Jugendlichen mit Zugang zu allen modernen Medien und schönen, jugendgemäßen Arbeitsplätzen – neben einladenden, den Geschmack junger Leute berücksichtigenden vielfältigen Ruhemöglichkeiten.

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Ich bin angetan von diesem goldenen Turm. Es ist offensichtlich: Er ist ein Schatz für den Schatz der Gesellschaft.

Montag, den 24.8.2009

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