Es ging unter die Haut
Nacht, 100 000 Menschen, Kerzen und vielfältige Lichtinstallationen, Straßentheater.
Freude angesichts der 20 000 Kerzen vor der Oper und des übervollen Augustusplatzes – Beklemmung gleich darauf beim Anblick der starren, hoffnungslosen Menschen mit leblosen Augen auf mehreren Podesten.
Flüchtlinge dort, wo 1989 die Kampfgruppen standen, um zu verhindern, dass Demonstranten zurück in die Innenstadt konnten, Kampfgruppen, die bereit waren zum Waffeneinsatz gegen das eigene Volk.
Ich konnte nicht anders, ich musste mir beim Laufen in der schweigenden Menge meine letzten 20 Jahre ohne den friedlichen 9. Oktober 1989 vorstellen, mein Leben, mein modernes Leben, in einer Diktatur, ohne jeden Ausweg, vielleicht nach einer “chinesischen” Lösung, mit Einsatz der an diesem Tag bereit stehenden 8 000 bewaffneten Polizisten, Soldaten der NVA und Angehörigen der Kampfgruppen.
Ich wurde von Schritt zu Schritt dankbarer für das Wunder vom 9. Oktober 89, als Kerzen die Mächtigen unfähig zur Gewalt machten …
Fotos: Das eindrückliche Straßentheater machte das polnische KTO – Theater aus der Partnerstadt Krakau möglich (1. Foto), Animationswand am ehemaligen “Blauen Wunder” (2. Foto), ehemalige Werbefläche für Propagandabotschaften der DDR-Regierung (3. Foto), sich erinnernde Menschen auf dem Augustusplatz Leipzig 2009 (4. Foto), ein Teil der 20 000 Kerzen, die insgesamt den Schriftzug 89 ergaben (5. Foto).
Bei der LVZ online können Interessierte sich die Lichtinstallationen insgesamt ansehen.
Leipzig, den 10.10.2009



