Archiv für die Kategorie 'Orte mit Ideen'

Das rote Sofa von Neuruppin

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1000 Kilo Eichenholz in einem Stamm, gekonnt in Form gebracht mit Motorsäge, Axt und Hammer, knallig rot angestrichen und vor die Stadtkirche von Neuruppin gestellt …

Es soll und wird die Stadt beleben. Davon ist die Arbeitsgruppe Experimentierfeld Innenstadt überzeugt. Gestartet wurde das Projekt vor zwei Tagen mit dem Aufstellen eines Riesensofas und einem gleichzeitig stattfindenden Fotowettbewerb der Märkischen Allgemeinen sowie der Stadt Neuruppin.

Ein Mitglied der Arbeitsgruppe, Peter Misch, sagte zu der Idee: “ein Sofa fanden wir gut, weil die Leute doch gerne sitzen und andere beobachten.”

Und nicht zuletzt ist Neuruppin Fontanestadt und besinnt sich mit dem roten Prachtstück auf Fontanes sprichwörtliche Liebe zum Sofa.

Der Satz: “Ruhe, Stille, Sofa und eine Tasse Tee geht über alles”, stammt von ihm.

Ich freue mich über dieses rote Sofa im öffentlichen Raum und werde, wenn ich wieder einmal in diesem interessanten, einladenden Städtchen bin, wie zuletzt vor zwei, drei  Jahren, ein Foto machen vom “ewig” haltbaren Sitzmöbel mit “ökologischen Anspruch” von Dietmar Schulz.

Die Fotos wurden mir freundlicherweise von ihm, dem Schöpfer des Sofas, zur Verfügung gestellt.

Die Informationen fand ich in einem Artikel der Märkischen Allgemeinen, verfasst von Angelika Pentsi und in einer Meldung der Stadt.

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Montag, den 7.9.2009

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Ein goldener Turm als Schatz für den Schatz der Gesellschaft

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Er überraschte mich am meisten, als ich auf der Zugfahrt von Leipzig nach Berlin in Luckenwalde ausstieg und nicht wie sonst immer nur einfach durchfuhr.

Ich wollte mir in einem Sommer ohne Urlaub eine kurze Auszeit nehmen und mir dazu die Stadt mit ihren Kirchen ansehen. Doch als ich auf den großen Bahnhofsvorplatz trat, um mich an dem dort ausgehängten Stadtplan zu orientieren, stutzte ich und schaffte es, anders als geplant, erst viel später zu den Kirchen.

Denn vor mir stand ein riesiger, sehr gut sanierter Prachtbau, ein sofort als ehemaliges Bahnhofsgebäude erkennbares, langgestrecktes Bauwerk der wilhelminischen Ära. Ich empfand es nach dem Blick auf eine Reihe ziemlich heruntergekommener Bahnhöfe an der Strecke Leipzig – Berlin, über Lutherstadt Wittenberg, als einen Lichtblick, aber wäre wohl recht schnell weitergegangen, wenn nicht das goldene Ende dieses riesigen Hauses mit seiner eigenwilligen Architektur meine Blicke gefesselt und meine Aufmerksamkeit erregt hätte.

Dieser Turm oder Kubus, bis auf die Fenster rundum eingekleidet von schuppenartig angeordneten Goldschindeln, und etwas windschief erscheinend, machte mich neugierig. Ich musste ihn von außen und innen erkunden. Aber er war von außen gar nicht zugänglich.

Um hineinzukommen, lief ich am gesamten Bahnhofsgebäude nach vorn, las erst jetzt “Stadtbibliothek” über dem Eingang und ging hinein.

Ich kam in die großzügige Atmosphäre einer äußerst modernen Bibliothek ohne jede Platznot, mit überzeugender Inneneinrichtung, mit Café und freundlichen Angestellten, die mir meine Fragen beantworten konnten und mich gern den gesamten Komplex anschauen ließen. So erfuhr ich, dass diese Verknüpfung von ehemals verfallendem Alten und beeindruckendem Neuen möglich wurde durch das Urban-Förderprogramm der Europäischen Gemeinschaft.

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Im goldenen Anbau ist die Kinder- und Jugendbibliothek untergebracht. Die Innenräume im Erdgeschoss sind als Lese- und Spiellandschaft für die Kinder gestaltet. Durch die riesigen Fenster zum Bahnhofsplatz werden sie öffentlich und vermitteln den Eindruck, dass er insgesamt mit zur Verfügung steht.

In der ersten Etage befinden sich die loungeartig eingerichteten Räume für die Jugendlichen mit Zugang zu allen modernen Medien und schönen, jugendgemäßen Arbeitsplätzen – neben einladenden, den Geschmack junger Leute berücksichtigenden vielfältigen Ruhemöglichkeiten.

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Ich bin angetan von diesem goldenen Turm. Es ist offensichtlich: Er ist ein Schatz für den Schatz der Gesellschaft.

Montag, den 24.8.2009

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Was lieben Sie?

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Jeder, jede liebt etwas anderes.

Der deutsche Professor Tobias Rehberger aus Frankfurt am Main wurde soeben für sein Werk “Was du liebst, bringt dich auch zum Weinen” ausgezeichnet. Er erhielt in Venedig, zur Eröffnung der 53. Kunstbiennale, den Goldenen Löwen und wurde damit zum besten Künstler gekürt.

Auch wenn wir selbst keine Künstler sind, schon gar keine großen, bereichert es unser Leben ungemein, wenn uns etwas am Herzen liegt, wir etwas haben, für das wir uns besonders einsetzen, das uns aber auch manchmal leiden lässt.

Diese Realität steht zwar im Widerspruch zu der landläufigen Meinung von der unbedingten Zusammengehörigkeit von Liebe und Glück, aber nur vordergründig.

Bei einem Besuch in Volkenroda in Thüringen, einem zur “Absiedelung” vorgesehenem Dorf, stieß ich auf solche Zeugnisse menschlichen Liebens und Leidens. Diese “Absiedelung” fand nicht statt. Und aus der 1968 wegen Baufälligkeit geschlossenen Kirche entstand nach der Wende die abgebildete eindrucksvolle Klosterkirche und gleich nebenan wurde der Christuspavillon der EXPO 2000 in Hannover wiedererrichtet, ein Bauwerk voller Anstöße zum Nachdenken und eines, das sich nicht auf den ersten Blick erschließen lässt.

Beim anschließenden Bummel durch das besondere Dorf stieß ich sogar noch auf dieses ungewöhnlich geschmückte Sofa unten.

Auf der Fahrt nach Hause war ich mir dann sicher, ein Besuch in Volkenroda lohnt sich immer.

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Sonnabend, den 6.6.2009

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