
Zufriedene Leute sind risikobereite und “der Mensch braucht etwas Aufregung, um geistig fit zu bleiben”, entdeckten sowohl der Wirtschaftsforscher Armin Falk aus Bonn als auch der britische Risikoforscher John Adams.
Das geht soweit, dass Verkehrsteilnehmer, die sich in einem Schilderwald sicher fühlen und mit Tunnelblick lediglich die Ver- und Gebotszeichen beachten, gefährdeter sind, als wenn sie sich aufmerksam auf sich selbst verlassen.
In einem Pilotprojekt verbesserte sich in Orten die Unfallstatistik deutlich, in denen Schilder entfernt wurden und nun über Augenkontakt festgelegt wird, wem die Vorfahrt zusteht. Sogar im turbulenten London, im Kreisverkehr.
Deutlich wird das an einem Beispiel von John Adams: “Fahren Sie mal mit dem Auto ein nicht angeschnalltes Baby durch die Stadt, … Sie werden fahren, als hätten Sie rohe Eier auf dem Dach.”
Wenn alles zu ruhig, ja langweilig wird, erfüllt sich das Sprichwort: Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er auf´s Eis tanzen.
Er steigt dann auf einen Drehstuhl, um eine Glühbirne einzuschrauben, ohne zu wissen, dass er es aus Verzweiflung tut, – weil nämlich sein Zuhause zu vollkommen und zu eintönig ist, weiß der Dresdner Verkehrspsychologe Bernhard Schlag zu berichten. Und er tut weitere nicht ungefährliche Dinge.
Frauen haben insgesamt meistens ein höheres Sicherheitsbedürfnis, sind nicht so risikofreudig wie der Mann. Irene Becker, eine Managementtrainerin befürchtet gar, dass viele von ihnen “mit angezogener Handbremse durchs Leben fahren”.
Ängste entwickeln sich dann auch dort, wo sie beispielsweise nach gründlichen Recherchen unbegründet und mit Nachteilen verbunden sind – z. B. wenn sie bewirken, dass sie, oder manchmal auch er, erst wegen eines entdeckten tollen Modells und des günstigen Preises im Internet einkaufen wollen und dann doch im letzten Moment davor zurückschrecken, ihr Traumsofa Torino zu bestellen, obwohl auch die angeforderten Lederproben sie zusätzlich überzeugt hatten.
Angst darf nicht das Leben bestimmen: Man sollte gar nicht erst versuchen, Risiken zu vermeiden, sondern sie bewusst eingehen,
heißt es im Artikel “Mehr Sicherheit DANK RISIKO” in emotion vom Februar 2010, S. 76 bis 81.
Bei dem Foto handelt es sich um Kunst von Mark Jenkins.
Sonntag, den 2.5.2010
Tags: Langeweile, Risiko, Traumsofa