
In unserer modernen Welt stellt sich beim Hören des Wortes älter oder Alter bei vielen der Gedanke an Falten ein, die bekämpft werden sollten und müssten. Die Werbung suggeriert es.
Dass erst die Jahre Erfahrungen bringen, wird meist weggelassen. – Aber Alain Claude Sulzer aus Basel sprach beispielsweise vor zwei Tagen, als Juror beim Bachmannwettbewerb, wieder einmal an, dass er bei der Lesung des etwas älteren Peter Wawerzinek diese Lebenserfahrung spürte, die er den viel jüngeren voraus habe. Peter Wawerzinek erhielt den Bachmannpreis.
Oder Geschmack ändert sich, lernt dazu mit den Jahren. Ein Beispiel dafür ist der bekannte amerikanische Designer Joe D´Urso. Er erfand vor 35 Jahren den Hightech-Stil, richtete in New York Aufsehen erregende, fast leere, wahnsinnig begehrte Wohnungen ein, fragte seine Klienten zuvor gern lange und hartnäckig:
Brauchen Sie das wirklich?
Und bestückte minimalistisch und kühl mit Podesten mit wenigen Kissen als Sofa oder einer Matratze als Bett. Die Bewohner nahmen ihr Frühstück am OP-Tisch ein, ihr Kleiderschrank war ein Stahlrohrsessel.
Heute hält ihn die Fachwelt für altersweise, weil er seine Sprache änderte, inzwischen warm und wohnlich einrichtet. Die Wände sind farbig. Tiefe, weiche Sofas laden zum Sitzen ein. Vasen und Schalen, die er früher möglichst hinauswarf, verschönern die Wohnungen ebenso wie Kunst an den Wänden.
Alles in den besonderen Räumen lädt zum Benutzen ein, Inszenierungen wie für ein Bühnenbild mag er nicht mehr. (Architektur & Wohnen 6/09, S. 76 bis 83)
Also: nur keine Angst vor dem Älterwerden!
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