Archiv für die Kategorie 'Literatur'

Anders gesagt

Auch mit dem Erleben von Licht und Schatten ist zu umschreiben, was ich unter Lust und Unlust schilderte.

Wenn es jedoch nur Licht oder nur Dinge gäbe, um die ich mich reiße, wäre das, so absurd es klingt, eine erhebliche Einschränkung dessen, was Leben ausmacht, was wir erfahren können. Ein Verlust auch in der Hinsicht, dass wir das Licht als selbstverständlich hinnehmen, nicht mehr schätzen, vielleicht kaum noch wahrnehmen würden.

Denn: Die ganze Mannigfaltigkeit, der ganze Reiz und die ganze Schönheit des Lebens setzen sich aus Licht und Schatten zusammen (Leo Tolstoi).

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Die Zeit dazwischen

Der Jugend wird oft der Vorwurf gemacht, sie glaube immer, daß die Welt mit ihr erst anfange. Wahr. Aber das Alter glaubt noch öfterer, daß mit ihm die Welt aufhöre. Was ist schlimmer?

Ich lese gern Tagebücher. Wenn sie gut geschrieben sind, erlebe ich sie als wahre Fundgrube. Und wenn ich tatsächlich anfange, darin Schätze zu heben, erleichtern sie mir meine Tage nicht selten ganz unerwartet.

Oft komme ich auch ins Staunen darüber, wie viel die “Alten” wussten. Sie wirken – kaum zu glauben -, manchmal moderner auf mich, als der eine oder andere Zeitgenosse.

Der anregende Satz oben stammt aus dem Tagebuch von Friedrich Hebbel “Der einsame Weg”, erschienen im Verlag der Nation, Berlin, 1970.  Hebbel verhalf mir heute wieder einmal zu einem Gespür für die Kostbarkeit der Zeit im Sinne von:

Pflücke den Tag und gehe behutsam mit ihm um. Es ist dein Tag, 24 Stunden lang. Zeit genug, ihn zu einem wertvollen Tag werden zu lassen. Darum laß ihn nicht schon in den Morgenstunden verwelken (M. Bickel).

Wie schwer das fallen kann, zeigt wieder einmal Mark Jenkins.

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Im Warmen sitzen

Wer im Warmen sitzt, kann den Frierenden nicht verstehen.

Dieser beunruhigende Satz von Alexandr Solschenizyn aus der Erzählung “Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch” fiel mir heute ein, als ich nach Nachrichtenbildern von der Überschwemmungskatastrophe in Pakistan auf meinem Sofa saß, Kaffee trank und angenehm mit anderen plauderte…

Das Foto zeigt die Ledercouch Philadelphia.

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Nachtrag zu Fantasie und Vernunft

Es gibt zwei gefährliche Abwege: Die Vernunft schlechthin abzulegen und außer der Vernunft nichts anzuerkennen.

Die vielschichtige Illustration schuf Max Dalton, der weise Satz stammt von Blaise Pascal.

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Ein Tag, ein Jahr

Es ist viel schwerer, einen Tag von Anfang bis Ende in voller Aufmerksamkeit durchzuhalten als ein Jahr in großen Absichten und hochfliegenden Plänen (Christian Morgenstern).

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Die Kraft von Geschichten

Gestern vor dem Einschlafen las ich etwas, das mich begeisterte:

Wie man Geschichten erzählen soll? So, daß sie einem selbst helfen! Mein Großvater war lahm. Einmal bat man ihn, eine Geschichte von seinem Lehrer zu erzählen. Da erzählte er, wie der große Baalschem beim Beten zu hüpfen und zu tanzen pflegte. Mein Großvater stand und erzählte, und die Erzählung riß ihn so hin, daß er hüpfend und tanzend zeigen mußte, wie der Meister es gemacht hatte. Von der Stunde an war er geheilt. So soll man Geschichten erzählen.

Quelle: Chassidische Legende. Aus Wladimir Lindenberg “Die Menschheit betet”. E. Reinhardt Verlag München/ Basel 1966.

Auf dem Ölgemälde erzählt Maurizio Bongiovanni (via iGNANT).

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Kein Bühnenbild

In unserer modernen Welt stellt sich beim Hören des Wortes älter oder Alter bei vielen der Gedanke an Falten ein, die bekämpft werden sollten und müssten. Die Werbung suggeriert es.

Dass erst die Jahre Erfahrungen bringen, wird meist weggelassen. – Aber Alain Claude Sulzer aus Basel sprach beispielsweise vor zwei Tagen, als Juror beim Bachmannwettbewerb, wieder einmal an, dass er bei der Lesung des etwas älteren Peter Wawerzinek diese Lebenserfahrung spürte, die er den viel jüngeren voraus habe. Peter Wawerzinek erhielt den Bachmannpreis.

Oder Geschmack ändert sich, lernt dazu mit den Jahren. Ein Beispiel dafür ist der bekannte amerikanische Designer Joe D´Urso. Er erfand vor 35 Jahren den Hightech-Stil, richtete in New York Aufsehen erregende, fast leere, wahnsinnig begehrte Wohnungen ein, fragte seine Klienten zuvor gern lange und hartnäckig:

Brauchen Sie das wirklich?

Und bestückte minimalistisch und kühl mit Podesten mit wenigen Kissen als Sofa oder einer Matratze als Bett. Die Bewohner nahmen ihr Frühstück am OP-Tisch ein, ihr Kleiderschrank war ein Stahlrohrsessel.

Heute hält ihn die Fachwelt für altersweise, weil er seine Sprache änderte, inzwischen warm und wohnlich einrichtet. Die Wände sind farbig. Tiefe, weiche Sofas laden zum Sitzen ein. Vasen und Schalen, die er früher möglichst hinauswarf, verschönern die Wohnungen ebenso wie Kunst an den Wänden.

Alles in den besonderen Räumen lädt zum Benutzen ein, Inszenierungen wie für ein Bühnenbild mag er nicht mehr. (Architektur & Wohnen 6/09, S. 76 bis 83)

Also: nur keine Angst vor dem Älterwerden!

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Die Macht der Liebe

Ja! Eine Sonne ist der Mensch, allsehend, allverklärend, wenn er liebt, und liebt er nicht, so ist er eine dunkle Wohnung, wo ein rauchend Lämpchen brennt.

Mit Kunst von Olaf Breuning und Hölderlin (Hyperion. Theoretische Versuche. Berlin und Weimar 1970. Sämtliche Werke und Briefe . Band 2, S. 176) wünsche ich allen meinen Lesern für die kommende Woche das Erleben dieser Macht.

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Ein faszinierendes Ziel haben und erreichen

Faszinierende Ziele haben viele.

Aber eine große Zahl der Menschen scheitert, kommt nie ans Ziel, weil sie von Anfang an die falschen Mittel und Wege wählt.

Antoine de Saint-Exupéry entwickelte einen Leitfaden auf dem Weg zum Ziel oder – für das Verwirklichen der eigenen Träume, der für meine Begriffe unschlagbar ist.

Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.

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Schnell, schnell, schnell

Noch schneller und noch schneller arbeiten!

Diesen Aufforderungen fühlte ich mich heute den ganzen Tag ausgesetzt, fühlte mich nicht berühmt dabei und dachte beim Hetzen und Eilen plötzlich an einen Satz aus dem Büchlein Die Kunst der Gelassenheit, das ich neulich wieder einmal in der Hand hatte:

Genauso wie Wasser, das den Himmel und die Bäume nur dann deutlich spiegeln kann, wenn seine Oberfläche nicht berührt wird, so kann der Geist das wahre Bild des Selbst nur reflektieren, wenn er gelassen und völlig entspannt ist.

Das klingt ziemlich geschraubt und nicht in unsere Zeit passend. Dennoch wünschte ich mir auch gerade angesichts dieser umständlich erscheinenden Sprache um so heftiger diese Zustände der völligen Entspannung und Gelassenheit.

Ich wünsche sie über das Wochenende allen meinen Lesern und auch mir selbst. Sie sind die Möglichkeit, endlich wieder einmal die Seele baumeln zu lassen.

Das Zitat verdanke ich einer aus Russland stammenden amerikanischen Schriftstellerin des 20. Jahrhunderts, Indra Devi. Die Kunst der Gelassenheit erschien 1997 als arsEdition, München, auf deutsch.

Freitag, den 14.5.2010

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