Plädoyer für Fairness
Bei den echten Bremer Stadtmusikanten der Brüder Grimm ging es anders zu. Gerhard Marcks schuf ihnen 1953 das unten abgebildete Denkmal.

Mittwoch, den 30.12.2009
Bei den echten Bremer Stadtmusikanten der Brüder Grimm ging es anders zu. Gerhard Marcks schuf ihnen 1953 das unten abgebildete Denkmal.

Mittwoch, den 30.12.2009

Nicht Chaos, sondern das “Konzert auf dem Sofa” ist derzeit in Italien in. Regelrecht boomen soll es.
Unter www.salottolive.com präsentieren sich italienische Musikliebhaber für Klassik bis Pop entweder als einladende Hausherren oder zeigen ihr Interesse als Gäste eines Hauskonzerts an.
Eine Einladung mit den notwendigen Informationen über den nächsten Termin und den Ort dazu folgt per sms. Und mitzubringen ist neben einer Flasche Wein im Wert von mindestens 15 Euro nur Lust auf Kommunikation in privater Atmosphäre.
Ob es diesen besonderen Platz für ein “Konzert auf dem Sofa” zu Hause auch bald in Deutschland geben wird?
Das Foto der Installation des mexikanischen Künstlers Ivan Puig fand ich bei iGnant.
Freitag, den 20.11.2009
Ein riesiges Gebäude – in nüchterner Schönheit.
Wer den Bau nicht von innen kennt, wer nichts über ihn weiß, ahnt nicht, welch sehens- und erlebenswerte Pracht er verbirgt.
Ich war neugierig, besorgte mir online ein Ticket, fuhr nach Berlin, ging in das vor kurzem wieder eröffnete Neue Museum und bestaunte drinnen Nofretete, den “Berliner Goldhut”, den legendären, aber falschen Schatz des Priamos und und und.
Und während ich durch das von David Chipperfield tatsächlich Aufsehen erregend renovierte Haus ging, in unzähligen Räumen versuchte, wenigstens einen kurzen Blick auf jedes Ausstellungsstück zu werfen, immer fassungsloser und demütiger wurde angesichts der Vielfalt und des geradezu unendlichen Reichtums an Kostbarkeiten, kam ich ins Nachdenken darüber, dass ich mit Menschen immer wieder einmal das genaue Gegenteil erlebe von dem, was mir hier geschieht: Sie tun alles, um groß zu scheinen, wenden viel auf, um zu blenden, aber provozieren beim Blick hinter die Fassade nur herbe Enttäuschung.
Buß- und Bettag, 18.11.2009

sagen: “Humor ist das Öl in unserer Lebenslampe.”
Und zeigen ihren Humor auch beim Design. Die Wirbelsäulenlampe für extrem lange Stiele, der knochenharte Schädelstuhl und der ausgefallene Sitz aus Hirnwindungen wurden entworfen von Vladi Rapaport, einem niederländischen Designer.
Wer dieses Interieur erwirbt, gibt seiner Wohnung eine stark anatomische Prägung, die die Besucher in Erstaunen versetzen, beim ersten Anblick vielleicht sogar erschrecken wird (gefunden bei Engadget German am 30.10.2009).
Montag, den 2.11.2009
Nach unendlich langer Bauzeit im und am Neuen Museum thront die “schönste Berlinerin”, die “Mona Lisa Berlins”, – die mandeläugige Pharaonin Nofretete wieder dort, – allein und majestätisch, im Nordkuppelsaal.
Ab 17. Oktober kann sie besucht werden – für die ersten zwei Tage sogar kostenlos.
1924 wurde die Schöne, die Rätselhafte erstmals im Neuen Museum ausgestellt und bereits 1943 ihres neuen Zuhauses durch Auslagerung wieder beraubt und dadurch gerettet. Denn ihr Berliner Haus, ein prächtiger Stülerbau, wurde zerstört, die Ruine verfiel.
Der britische Architekt David Chipperfield verwandelte bereits seit 1997 diese katastrophale Kriegsruine in einer “Glanzleistung” in ein eigenständiges Kunstwerk mit allen Narben der Geschichte, in dem nun an ausgesuchtem Ort, in ausgetüfteltem Licht die geheimnisvolle, sogar computertomografisch untersuchte und extrem berührungsempfindliche Königin herrscht – auch über die ägyptischen und frühgeschichtlichen Sammlungen.
Ich habe Sehnsucht nach Nofretete, – seit ich ihr 2005 im Neuen Forum erstmals begegnete und ihrer Ausstrahlung erlag …
Quellen: viele, in denen ich das Wiedererstehen des Neuen Museums über die Jahre verfolgte, stellvertretend nenne ich noch den Focus mit einem aktuellen Artikel.
Donnerstag, den 15.10.2009

Ex-Torwart Oliver Kahn, der demnächst als “Legende des Sports” geehrt wird, sagte nach seinem Karriereende zum Thema Perfektion: Nach ihr “zu streben, sich ihr annähern zu wollen, ist okay, aber nicht, sie tatsächlich erreichen zu wollen. Wer das nicht versteht, wird ewig unzufrieden und unglücklich sein”.
Recht hat er, denn jeder, der überall vorn sein und alles bestens machen will, – so gut, dass keiner ihn übertrifft, überfordert sich, rutscht aus auf dem beliebten, lockenden Stressfeld, das nur bis zu einem bestimmten Maß gesund, anregend, herausfordernd ist und früher oder später eine ungewollt glitschige Eigendynamik entwickelt.
Nehmen Sie locker Abstand von regelmäßigen 15-Stunden-Tagen von Montag bis Montag: Lassen Sie nicht zu, dass Ihre Gesundheit zerstört wird, die Fähigkeit zur Entspannung verloren geht, Ihre durch Zeitnot ungepflegte Beziehung verwahrlost und vielleicht der Punkt kommt, wo Körper und Seele so ausgepowert sind, dass gar nichts mehr Spaß macht!
Gehen Sie alles ohne Verbissenheit an …
Das Foto, passend zum Thema, machte Raven Smith. Das Zitat und die Anregungen zum Thema fand ich in einem Artikel von Jan Schlieter unter dem Titel “Lass doch mal locker!” in “emotion” 09/08 und in eigenen Erfahrungen.
Mittwoch, den 14.10.2009
Nacht, 100 000 Menschen, Kerzen und vielfältige Lichtinstallationen, Straßentheater.
Freude angesichts der 20 000 Kerzen vor der Oper und des übervollen Augustusplatzes – Beklemmung gleich darauf beim Anblick der starren, hoffnungslosen Menschen mit leblosen Augen auf mehreren Podesten.
Flüchtlinge dort, wo 1989 die Kampfgruppen standen, um zu verhindern, dass Demonstranten zurück in die Innenstadt konnten, Kampfgruppen, die bereit waren zum Waffeneinsatz gegen das eigene Volk.
Ich konnte nicht anders, ich musste mir beim Laufen in der schweigenden Menge meine letzten 20 Jahre ohne den friedlichen 9. Oktober 1989 vorstellen, mein Leben, mein modernes Leben, in einer Diktatur, ohne jeden Ausweg, vielleicht nach einer “chinesischen” Lösung, mit Einsatz der an diesem Tag bereit stehenden 8 000 bewaffneten Polizisten, Soldaten der NVA und Angehörigen der Kampfgruppen.
Ich wurde von Schritt zu Schritt dankbarer für das Wunder vom 9. Oktober 89, als Kerzen die Mächtigen unfähig zur Gewalt machten …
Fotos: Das eindrückliche Straßentheater machte das polnische KTO – Theater aus der Partnerstadt Krakau möglich (1. Foto), Animationswand am ehemaligen “Blauen Wunder” (2. Foto), ehemalige Werbefläche für Propagandabotschaften der DDR-Regierung (3. Foto), sich erinnernde Menschen auf dem Augustusplatz Leipzig 2009 (4. Foto), ein Teil der 20 000 Kerzen, die insgesamt den Schriftzug 89 ergaben (5. Foto).
Bei der LVZ online können Interessierte sich die Lichtinstallationen insgesamt ansehen.
Leipzig, den 10.10.2009
Heute früh überraschte und erfreute mich eine Rundmail von Regine Möbius, der stellvertretenden Bundesvorsitzenden des Verbandes deutscher Schriftsteller und der Bundesbeauftragten f. Kunst und Kultur der ver.di, in der sie an den entscheidenden Tag der Friedlichen Revolution heute vor 20 Jahren erinnert.
Mich beschäftigt, was die Mail treffend anspricht, schon den ganzen Tag. Es wird mich auch begleiten, wenn ich ab 18 Uhr am Lichtfest “Aufbruch Leipzig -20 Jahre Friedliche Revolution und Einheit Europas” mit mehr als 20 internationalen Künstlern teilnehmen und auf dem historischen Weg der Demonstranten entlanggehen werde:
“Liebe Freunde, Leipzig, am 9. Oktober
„20 Jahre Friedliche Revolution“! Von Plakaten, in Zeitungen, in Sonntags-, Donnerstags- und Freitagsreden ist es zu hören.
Heute jährt sich dieser Tag, der letzte und entscheidende in einer langen Reihe von weniger spektakulären, aber mit nicht weniger Angst und Mut besetzten Tagen, an denen besonders Jugendliche, Basisgruppen und couragierte Pfarrer sich in den über sechs Jahre durchgeführten Montagsgebeten, in Untergrundzeitungen, in Demonstrationen gegen die eingeschränkte Meinungsfreiheit, gegen die unglaubliche Verpestung der Luft oder die kaum zu vertuschenden Wahlfälschungen mit den diktatorischen „Ordnungshütern“ des DDR-Staates kritisch auseinander setzten. Sie wussten, wie gefährlich das war, sie konnten nicht in einer großen Masse aufgehen. Es gehörte Courage und Haltung dazu, sich durch die Willkürmaßnahmen nicht einschüchtern zu lassen, die vom Studienabbruch über Ausweisbeschlagnahme bis hin zu schlimmen Schikanemethoden im Rahmen von Inhaftierungen reichten.
Diesen DDR-Bürgern, die in den zu hörenden Festreden als „Der einfache Mann auf der Straße“ genannt werden, haben wir in erster Linie zu danken, dass der Keim zu einer großen, friedlichen Bewegung gelegt wurde, die im geeinten Deutschland mündete.
An diese möchte ich heute erinnern. Sie werden kaum noch genannt von all denen, die nach zwanzig Jahren sich an die Spitze der Gedenk- und Jubelveranstaltungen stellen, sich im Schein des heute in Leipzig stattfindenden Lichtfestes baden werden.
Aber das Licht kam damals aus vielen Kirchen. Stellvertretend für sie steht die Leipziger Nikolaikirche.
Auf einem kleinen Bild mit gezacktem Rand, das seit gestern in Millionen-Auflage durchs Land geht und nur 55 Cent kostet, können alle es sehen. Ich freue mich darüber und wünsche mir, dass meine Freunde und Bekannten, trotz allen schwierigen Tagesgeschehens, sich mit mir freuen können.
Wer Lust hat, kann den im April in „politik und kultur“ von mir erschienenen Text zu diesem Thema im Anhang lesen.
Sehr herzlich grüßt
Regine Möbius”
Freitag, den 9.10.2009

Beim Feiern, ist es sonnenklar, es gelingt nur gemeinsam mit anderen.
Das ist eine Urerfahrung, die jeder Mensch mit normalen Entwicklungsmöglichkeiten von Kindesbeinen an macht.
Aber es gibt, wie jeder weiß, auch vieles, was nicht von klein an als selbstverständlich erlebt wird und deshalb bei den meisten niemals direkt ins Blickfeld rückt.
Glücklicherweise – muss man sagen – bei dem Thema, auf das ich hinaus und auf das ich aufmerksam machen will: Es ist, wenn im Leben alles “normal” läuft, alles klappt, unendlich weit weg, ja ganz und gar außer Sicht. So gibt es für die meisten keinen Anlass dazu, sich Gedanken darüber zu machen.
Aber es ist notwendig, die Gedankenlosigkeit zu überwinden, denn es kann jeden treffen, dass er plötzlich eine Niere, eine Leber, ein Herz oder ein anderes Organ braucht, um weiterleben zu können.
Wer erst als Betroffener auf das Problem aufmerksam wird, dass es viel zu wenig Spenderorgane gibt, kann dann leider zu den 3 Menschen pro Tag in Deutschland gehören, die das Leben lieben wie ich, voller Pläne sind, aber sterben müssen, weil die Wartezeit auf ein neues Organ für sie zu lange dauert.
Denn nicht einmal 17 % der Bundesbürger tragen einen Spenderausweis bei sich, der notwendig ist, wenn man nach dem eigenen Tod das Leben eines der etwa 12 000 Wartenden retten und viel Leid verhindern will, das es nicht geben müsste.
Hören Sie auf Erich Kästners bekannte und eindrückliche Worte: “Es gibt nichts Gutes/ außer: Man tut es.” Helfen Sie! Laden Sie hier einen Organspendeausweis herunter oder bestellen Sie ihn per Post, füllen Sie ihn aus und tragen Sie ihn ab jetzt immer in Ihrem Portemonnaie.
Sie können einmal als Einzelner so viel tun!
Gestern war der Welttag und Europäische Tag der Organspende. Er wurde erstmals in Deutschland begangen – am auffälligsten am Brandenburger Tor – mit viel Information und den Auftritten von Bands, Künstlern usw.
Montag, den 5.10.2009
In Kobe steht dieser Tetsujin 28-go, ein 18 Meter großer Riesenroboter. Übermorgen wird er im Wakamatsu-Park enthüllt.
Wenn ich recht verstanden habe, wurde er vor 20 Jahren von Mitsuteru Yokoyama als Mangafigur gezeichnet und jetzt gebaut.
Ich erschrak, als ich ihn sah. – Erst recht, als ich beim genaueren Hinsehen seinen kleinen Kopf entdeckte.
Sofort musste ich an den “Jahrhundertschritt” von Wolfgang Mattheuer denken, eine Bronzeplastik, 1984 geschaffen und 1999 vor dem Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig aufgestellt.
Auch dieser “Jahrhundertschritt”, ein Kunstwerk, das mich jedesmal und noch immer anspricht, wenn ich in der Innenstadt an ihm vorübergehe, hat einen zu kleinen Kopf, der sich noch dazu “fast vollständig im Brustkorb befindet”. Es zeigt die Geschichte des letzten Jahrhunderts.
Hoffentlich nimmt der “Gigantor” nun nicht die Zukunft vorweg.
Hütet Euch vor kleinen Köpfen, möchte ich schnell noch rufen …
Das Zitat fand ich bei Wikipedia, das Foto bei Engadget German.
Freitag, den 2.10.2009