Uta Brandes, die erste und einzige Professorin für Design und Gender in Deutschland, weiß, dass im Design Geschlecht steckt und macht darauf aufmerksam.
Gender drückt das “soziale Geschlecht” von etwas aus. Es gibt diesen Begriff erst seit 1955 und er umschreibt, was in der jeweiligen Kultur als typisch für das eine oder andere Geschlecht gilt: So ist beispielsweise eine bequeme Couch für einen Mann etwas anderes als für eine Frau.
Für ihn ist sie, ebenso wie ein Bett, ein Ort zum Schlafen. Für sie ist sie das Zentrum ihrer Wohnung, ihres geschützten Raumes. – Er sieht diesen Einrichtungsgegenstand praktisch. Sie dagegen will ihn schmücken, um sich wohlzufühlen. Sie dekoriert die Sofagarnitur mit Kissen, hängt ein Sofabild über ihr auf, stattet die Umgebung mit einer Kerze, einer ausgefallenen Lampe, Blumen, Büchern, anderen schönen Dingen aus und will sie auch für viele Gelegenheiten wie Telefonieren, Lesen, Essen nutzen.
Der nicht aus der Welt zu schaffende biologische Unterschied gibt das Gebrauchsverhalten vor.
Männern und Frauen gefällt darüber hinaus auch jeweils verschiedenes Design besser. Ersteren beispielsweise ein Küchentisch, ohne Krimskrams wie eine “Werkbank”. Sie brauchen nicht viele Schubkästen, keinen Platz zum Verstauen, aber Platz zum Loslegen – wie in der für Männer entworfenen Bulthaupt-Küche. Frauen haben dagegen andere Wünsche und Wertigkeiten wie angenehme Farbe, warme Materialien, langlebige Schönheit von Interieur.
Vielleicht deshalb entwarf die Niederländerin Hella Jongerius eine schöne, aber unzerbrechliche Vase aus Gummi. Und Frauen denken wohl aus diesen Gründen in Momenten, in denen sich der Mann gerade für ein weißes Ledersofa begeistert, auch an die eventuellen künftigen Rotweinflecken, die den Glanz des Besonderen schnell auslöschen und überlegen, wägen ab, zögern dabei, es von jetzt auf gleich zu kaufen.
Die neue Wissenschaft ist sehr interessant und manches ist kaum zu glauben …
Ein Gespräch zwischen Frau Brandes und Melanie Longerich mit diesen Informationen fand ich in “Haus & Wohnung”, 12-08/ 1-09, S. 8 – 12.
Sonnabend, den 22.8.2009
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