Archiv für die Kategorie 'Kaum zu glauben'

Die Zeit dazwischen

Der Jugend wird oft der Vorwurf gemacht, sie glaube immer, daß die Welt mit ihr erst anfange. Wahr. Aber das Alter glaubt noch öfterer, daß mit ihm die Welt aufhöre. Was ist schlimmer?

Ich lese gern Tagebücher. Wenn sie gut geschrieben sind, erlebe ich sie als wahre Fundgrube. Und wenn ich tatsächlich anfange, darin Schätze zu heben, erleichtern sie mir meine Tage nicht selten ganz unerwartet.

Oft komme ich auch ins Staunen darüber, wie viel die “Alten” wussten. Sie wirken – kaum zu glauben -, manchmal moderner auf mich, als der eine oder andere Zeitgenosse.

Der anregende Satz oben stammt aus dem Tagebuch von Friedrich Hebbel “Der einsame Weg”, erschienen im Verlag der Nation, Berlin, 1970.  Hebbel verhalf mir heute wieder einmal zu einem Gespür für die Kostbarkeit der Zeit im Sinne von:

Pflücke den Tag und gehe behutsam mit ihm um. Es ist dein Tag, 24 Stunden lang. Zeit genug, ihn zu einem wertvollen Tag werden zu lassen. Darum laß ihn nicht schon in den Morgenstunden verwelken (M. Bickel).

Wie schwer das fallen kann, zeigt wieder einmal Mark Jenkins.

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Leder in edlem Ambiente

Das Foto zeigt das Londoner Aqua Sheko von innen (via Studio 5555). In dem interessanten, eleganten Raum dieser anspruchsvollen Gesundheits- und Wellnesseinrichtung mit formschönen, bequemen Ledersesseln können Hautkranke Luxus in beruhigendem Licht genießen und eine ungewöhnliche Behandlung in Anspruch nehmen. Bis 12 cm große Knabberfische aus dem türkischen Kangal sondern dort wie überall, wo sie eingesetzt werden, an den Schuppen der menschlichen Haut etwas wie ein Medikament, ein dithranolhaltiges Sekret, ab.

Es ist imstande, die Geschwindigkeit der Hauterneuerung zu normalisieren, bei diesen Kranken mit Schuppenflechte zu verlangsamen. “Doktorfische” nennt man die Art Garra Rufa deshalb.

Wunderbar, wenn solch ein Therapieort so fabelhaft aussieht und in keiner Weise an Krankenhaus und ähnliches erinnert. Leider ist er nicht für alle erschwinglich.

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Meisterinnen der Illusion

Weil sie es sind, wurden sie 2010 als die A&W-Designer ausgezeichnet: die Schwedinnen Sofia Lagerkvist, Anna Lindgren und Charlotte von der Lancken. Den Team-Namen Front gaben sie sich und Sinnestäuschungen sind eines ihrer Lieblingsthemen.

So ist die abgebildete “Holzbank” (via Couleurblind) keineswegs hart und ungemütlich, sondern weich und bequem. Der Stoff mit dem Foto einer aufgedruckten Holzmaserung führt lediglich in die Irre.

Auch auf diesem Sofa liegt keine schnell hingeworfene Decke. Hier ist aufgeräumt. Das Sofa ist so bezogen, dass es wirkt, als könnte man sich hinlegen, hätte schon etwas zum Zudecken oder müsste den Überwurf wegnehmen und zusammenlegen.

Die attraktiven Designerinnen sind äußerst vielfältg. Sie bringen auch Tiere in die Wohnung, die nicht an das Zuhause fesseln, weil sie nicht versorgt, sondern höchstens hin und wieder von Staub befreit werden müssen. Sie machten aus der Flugbahn einer Fliege um die Glühbirne einen raffinierten Lampenschirm, verwenden bisher unbekannte Muster, wie sie beispielsweise Mäuse in Tapeten fressen oder lassen eigenwillige Möbel entstehen, die sie vorher in die Luft malten und die dank des Einsatzes neuester Technik schließlich aussehen, als seien sie aus riesigen Zahnpastatuben gepresst worden.

Front arbeitet für renommierte, teure Möbelproduzenten, entwarf aber auch zwei Leseleuchten für Ikea.

Wohl nie wurde ich durch Design so intelligent hinters Licht geführt und neugierig gemacht!

Aber am meisten verblüffte mich ein lebensgroßes schwarzes Pferd mit schwarzem Lampenschirm als Stehleuchte, (zu sehen auf einem der Fotos zur Preisverleihung der Zeitschrift Architektur & Wohnen).

Sonntag, den 16.5.2010

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Ein Spielplatz für einen Mann

So etwas zu gestalten, kann tatsächlich der Auftrag an eine Innenarchitektin sein, die man heute “Interiorgestalterin” nennt. Kate Hume, eine in Amsterdam lebende Britin, bekam von einem reichen Junggesellen genau diesen Auftrag für seine Villa in Prag.

Über zwei Jahre überzeugte sie den Hausherrn vom “Wert des Alten und der Notwendigkeit von Brüchen” bei der Raumgestaltung und davon, dass “Harmonie und Glamour ein gewisses Maß an Heterogenität brauchen” und schuf diesen gewünschten Spielplatz.

Er bestand dann aber – Ironie des Schicksals -, nur kurz, weil der Mann sich verliebte, heiratete und Nachwuchs bekam, der einen ganz anderen Spielplatz benötigte.

So wurde aus dem prächtigen Spielplatz für den Mann ein praktischer für das Kind.

Diese ungewöhnliche Geschichte las ich mit Vergnügen unter dem Titel “West-östliche Diwane” in Architektur und Wohnen 6/08, S. 80.

Samstag, den 24.4.2010

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Kleider machen Leute, Sofas Wohnzimmer

Sofas machen Wohnzimmer

Das bekannte Sprichwort stimmt offenbar allen Zweifeln zum Trotz tatsächlich.

Der spanische Künstler Reclarkgable zeigt uns auf verblüffende Weise, dass man in verschiedenen Kleidern, mit neuer Haarpracht, abweichender Schminke und Haltung andere total verwirren, an der Nase herumführen beziehungsweise hinters Licht führen kann.

Hinter diesen und einer Reihe weiterer Outfits steckt ein und dasselbe Pärchen:

Sofas machen Wohnzimmer 2

Und wie mit den Kleidern bei den Leuten verhält es sich mit dem Outfit des Sofas, das Sie für Ihr Wohnzimmer aussuchen. Jedes schafft eine andere, oft in keiner Weise miteinander zu vergleichende Atmosphäre.

Deshalb: Prüfe, wer sich ewig binde – an ein hochwertiges Ledersofa wie Padua

Padua_02

oder Madrid.

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Dem Blog Diskursdisko ein Dankeschön für den Hinweis auf die Fotoserie Couples.

Sonntag, den 10.1.2010

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Plädoyer für Fairness

Bremer Stadtmusikanten

Bei den echten Bremer Stadtmusikanten der Brüder Grimm ging es anders zu. Gerhard Marcks schuf ihnen 1953 das unten abgebildete Denkmal.

140px-Stadtmusikanten_Bremen

Mittwoch, den 30.12.2009

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Provokation und Interesse

Ein rotes Sofa wie rote Lippen!

Wer interessieren will, muss provozieren.

So behauptet es jedenfalls Salvador Dali, der berühmte spanische Surrealist. Am 3. Februar diesen Jahres wurde in Berlin, am Potsdamer Platz, ein Museum mit 400 Exponaten von ihm eröffnet, die erste Dauerausstellung mit seinen Werken in einem Museum in Deutschland.

Ein Besuch dort wird auch an den längsten und kältesten Wintertagen keine Langeweile aufkommen lassen, denn Dali überrascht, provoziert und lädt zu den unglaublichsten Deutungsversuchen ein.

Wer schon jetzt neugierig sein sollte: Auch das Sofa dieses bekannten und umstrittenen Künstlers verbirgt sich unter den Impressionen.

Mittwoch, den 9.12. 2009

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Kampf dem Zeitdruck

Zeitdruck

Zeitdruck macht unbarmherzig.

Dass ihm mit einer überdimensionalen “Frühstückszubereitungsmaschine” beizukommen ist, wie sie jetzt in Amsterdam von dem Designer Yuri Suzuki vorgestellt wurde, wage ich zu bezweifeln. Aber man sollte unbedingt nach Wegen zu mehr Gelassenheit suchen.

Es lohnt sich letztlich für alle, wie die folgende Studie zeigt:

Studenten der Princeton University wurden einzeln ein paar Häuser weiter geschickt, um dort jeweils ein Referat zu halten. Einigen von ihnen wurde Zeitdruck gemacht, indem man ihnen sagte, sie würden schon dringend erwartet, sie müssten sich beeilen. Den anderen teilte man mit, sie hätten genügend Zeit bis zum Beginn ihres Referates.

Auf dem Weg zum entsprechenden Gebäude kam jeder von ihnen an einem am Boden liegenden Mann vorbei, der hilflos in einer Seitengasse lag und sich vor Schmerzen wand.

Aber nur diejenigen Studenten, die nicht unter Zeitdruck standen, kümmerten sich um den Schauspieler, der den Schwerverletzten spielte. Diejenigen, die es eilig hatten, ignorierten, dass jemand dringend ihre Hilfe brauchte und hetzten vorbei. Sie hatten nur noch ihr Referat, ihren Termin im Kopf.

Und das Erschreckende: Es ist eine allgemeine menschliche Eigenart, dass wir, fixiert auf einen dringenden Termin, reduziert sind, reduziert handeln, vieles ausblenden – selbst allerwichtigste Dinge.

Dem Ganzen wird die Krone dadurch aufgesetzt, dass es sich bei den Studenten um Theologiestudenten handelte, die zwei, drei Minuten später über das Gleichnis vom barmherzigen Samariter referieren sollten.

Die beschriebenen Erkenntnisse passen leider auch mit noch ganz anderen Forschungsergebnissen von Robert Levine zusammen, die besagen, dass mit steigendem Lebenstempo, zum Beispiel in einer Stadt, tatsächlich die Hilfsbereitschaft im allgemeinen abnimmt.

Das Foto fand ich bei Engadget German, über die Studienergebnisse schrieb Heiko Ernst unter dem Titel “Der eilige Samariter” in “Psychologie heute” von Januar 2009.

Mittwoch, den 4.11.2009

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Einstimmung auf den Sonntag

Baumhaus

Horace Burgess baute diesen in der Zivilisation ungewöhnlichen Platz zum Wohnen in und mit der Natur – in Tennessee, genauer gesagt in Crossville: Ein Baumhaus mit 30 Metern Höhe, 10 Stockwerken und sogar einem Basketballplatz auf den insgesamt 1000 Quadratmetern.

Die Bauzeit betrug 12 Jahre. – Und der Bauherr fühlte sich von Gott zu diesem Meisterwerk aus Holz für 8000 Euro beauftragt, das von 258 000 Nägel zusammenhalten wird und auch einen Glockenturm besitzt – aus Sauerstoffflaschen. Im Sommer sagt er danke für sein Leben mit Gartenblumen, die den Namen Jesus schreiben.

Er empfindet wie Christian Morgenstern, den Herr Burgess vielleicht nicht einmal kennt: “Wer Gott aufgibt, der löscht die Sonne aus, um mit einer Laterne weiter zu wandern.”

Das Foto und die Information fand ich bei Engadget German.

Samstag, den 17.10.2009

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Ein Bett nur zum Anschauen?

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Es leuchtet in wechselnden Farben: blau, grün, gelb, rosa und hält wach – denkt man.

Aber nein, es soll sogar Schlaftabletten ersetzen, Schlaf fördern, sogenannte Luminotherapie betreiben.

Ob es diese Wirkung nach den ersten, Müdigkeit auslösenden Aufregungen auf Dauer tatsächlich hat, bleibt abzuwarten, denn “Schlaf ist ein scheuer Vogel” …”/Schwer zu fangen, zu halten, doch leicht zu morden …”, wusste Hermann Hesse schon in “Angst in der Nacht”.

Quelle (Foto): Gizmodo und Philippe Boulet, Zitat: Zitatenlexikon von Ursula Eichelberger, VEB Bibliographisches Institut Leipzig .  1983.

Donnerstag, den 24.9.2009

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