
Zeitdruck macht unbarmherzig.
Dass ihm mit einer überdimensionalen “Frühstückszubereitungsmaschine” beizukommen ist, wie sie jetzt in Amsterdam von dem Designer Yuri Suzuki vorgestellt wurde, wage ich zu bezweifeln. Aber man sollte unbedingt nach Wegen zu mehr Gelassenheit suchen.
Es lohnt sich letztlich für alle, wie die folgende Studie zeigt:
Studenten der Princeton University wurden einzeln ein paar Häuser weiter geschickt, um dort jeweils ein Referat zu halten. Einigen von ihnen wurde Zeitdruck gemacht, indem man ihnen sagte, sie würden schon dringend erwartet, sie müssten sich beeilen. Den anderen teilte man mit, sie hätten genügend Zeit bis zum Beginn ihres Referates.
Auf dem Weg zum entsprechenden Gebäude kam jeder von ihnen an einem am Boden liegenden Mann vorbei, der hilflos in einer Seitengasse lag und sich vor Schmerzen wand.
Aber nur diejenigen Studenten, die nicht unter Zeitdruck standen, kümmerten sich um den Schauspieler, der den Schwerverletzten spielte. Diejenigen, die es eilig hatten, ignorierten, dass jemand dringend ihre Hilfe brauchte und hetzten vorbei. Sie hatten nur noch ihr Referat, ihren Termin im Kopf.
Und das Erschreckende: Es ist eine allgemeine menschliche Eigenart, dass wir, fixiert auf einen dringenden Termin, reduziert sind, reduziert handeln, vieles ausblenden – selbst allerwichtigste Dinge.
Dem Ganzen wird die Krone dadurch aufgesetzt, dass es sich bei den Studenten um Theologiestudenten handelte, die zwei, drei Minuten später über das Gleichnis vom barmherzigen Samariter referieren sollten.
Die beschriebenen Erkenntnisse passen leider auch mit noch ganz anderen Forschungsergebnissen von Robert Levine zusammen, die besagen, dass mit steigendem Lebenstempo, zum Beispiel in einer Stadt, tatsächlich die Hilfsbereitschaft im allgemeinen abnimmt.
Das Foto fand ich bei Engadget German, über die Studienergebnisse schrieb Heiko Ernst unter dem Titel “Der eilige Samariter” in “Psychologie heute” von Januar 2009.
Mittwoch, den 4.11.2009
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