Archiv für die Kategorie 'Besondere Menschen'

Weihnachten, Ostern

überspielt am 11.7.09 110 - Kopie

Im Fernsehen sah und hörte ich Lea Linster.

Ich kannte sie noch nicht, diese luxemburgische, perfekt deutsch sprechende Spitzenköchin. Aber sie leuchtete mir sofort ein mit ihrer Leidenschaft für das Kochen, mit ihrem Lächeln, ihrer Souveränität.

Sie motivierte mich heute innerhalb von zwei, drei Minuten, Weihnachten eine knusprig braune Gans mit Thüringer Klößen und Fränkischem Sauerkraut auf den Tisch zu zaubern. Mich fasziniert, wie sie, der Versuch, Weihnachten so gut zu kochen, dass man sich Ostern noch daran erinnert.

Mit diesem Ziel werde ich nun auch antreten …

Denn was Rainer Maria Rilke unnachahmlich in seinem Herbstgedicht sagt:

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, …

gilt auch für den Verkauf von Sofas aus unserem Shop – zumindest bis nach Weihnachten.

Feiern Sie, kochen Sie …

Dienstag, den 22.12.09

Keine Kommentare

Sein statt Schein

Berlin Reformationsfest 2009 007Ein riesiges Gebäude – in nüchterner Schönheit.

Wer den Bau nicht von innen kennt, wer nichts über ihn weiß, ahnt nicht, welch sehens- und erlebenswerte Pracht er verbirgt.

Ich war neugierig, besorgte mir online ein Ticket, fuhr nach Berlin, ging in das vor kurzem wieder eröffnete Neue Museum und bestaunte drinnen Nofretete, den “Berliner Goldhut”, den legendären, aber falschen Schatz des Priamos und und und.

Und während ich durch das von David Chipperfield tatsächlich Aufsehen erregend renovierte Haus ging, in unzähligen Räumen versuchte, wenigstens einen kurzen Blick auf jedes Ausstellungsstück zu werfen, immer fassungsloser und demütiger wurde angesichts der Vielfalt und des geradezu unendlichen Reichtums an Kostbarkeiten, kam ich ins Nachdenken darüber, dass ich mit Menschen immer wieder einmal das genaue Gegenteil erlebe von dem, was mir hier geschieht: Sie tun alles, um groß zu scheinen, wenden viel auf, um zu blenden, aber provozieren beim Blick hinter die Fassade nur herbe Enttäuschung.

Buß- und Bettag, 18.11.2009

Keine Kommentare

Faszination Schönheit

230px-Nefertiti_30-01-2006

Welch ein Ereignis!

Nach unendlich langer Bauzeit im und am Neuen Museum thront die “schönste Berlinerin”, die “Mona Lisa Berlins”, – die mandeläugige Pharaonin Nofretete wieder dort, – allein und majestätisch, im Nordkuppelsaal.

Ab 17. Oktober kann sie besucht werden – für die ersten zwei Tage sogar kostenlos.

1924 wurde die Schöne, die Rätselhafte erstmals im Neuen Museum ausgestellt und bereits 1943 ihres neuen Zuhauses durch Auslagerung wieder beraubt und dadurch gerettet. Denn ihr Berliner Haus, ein prächtiger Stülerbau, wurde zerstört, die Ruine verfiel.

Der britische Architekt David Chipperfield verwandelte bereits seit 1997 diese katastrophale Kriegsruine in einer “Glanzleistung” in ein eigenständiges Kunstwerk mit allen Narben der Geschichte, in dem nun an ausgesuchtem Ort, in ausgetüfteltem Licht die geheimnisvolle, sogar computertomografisch untersuchte und extrem berührungsempfindliche Königin herrscht – auch über die ägyptischen und frühgeschichtlichen Sammlungen.

Ich habe Sehnsucht nach Nofretete, – seit ich ihr 2005 im Neuen Forum erstmals begegnete und ihrer Ausstrahlung erlag …

Quellen: viele, in denen ich das Wiedererstehen des Neuen Museums über die Jahre verfolgte, stellvertretend nenne ich noch den Focus mit einem aktuellen Artikel.

Donnerstag, den 15.10.2009

Keine Kommentare

Worte als Zumutung

Zum Beispiel ein Satz von Leo Tolstoi: “Alles nimmt ein gutes Ende für den, der warten kann.”

Ich stieß zufällig auf diesen Satz des von mir verehrten Schöpfers so großer Werke wie “Anna Karenia” oder “Krieg und Frieden”.  Aber zur gänzlich falschen Zeit:

In den Tagen meiner Trauer um den vom Krebs besiegten, so früh verstorbenen Patrick Wayne Swayze, dessen Spiel mich nachhaltig faszinierte, klangen Tolstois Worte wie Hohn in meinen Ohren …

Ich fühlte mich ohnmächtig und herausgefordert, wieder einmal die Kostbarkeit eines jeden Tages zu bedenken, den man leben darf.

Auf manches kann und darf man nicht warten.

36f185e121376798753267ea0fb0b6fb

Dieses treffende Foto von ihm fand ich im Blog Spreeblick.

Donnerstag, den 17.9.2009

Keine Kommentare

Ihr zukünftiges Bad?

HOE_SensaMare_Duschsystem

Der Designer Professor Günter Horntrich erhielt 2008 mit seinem Team zwei hohe Auszeichnungen für das “SensaMare” von Hoesch, ein Komplettbad-System.

Sein Ziel bei dem dafür umgesetzten “Konzept der Kontraste” war, zu Hause, im Alltag möglich zu machen, was sonst nur beim Besuch von sehr schönen Wellness-Oasen erlebbar wird: nämlich Raum zu schaffen sowohl für Entspannung als auch Aktivität, für Sinnlichkeit ebenso wie für Gesundheit.

Er wählte für “sein” Bad Holz, Edelstahl und Acryl, verwendete Echtholzfurnier in Kombination mit Naturschiefer, ließ außen das Weiche runder Formen wirken, wie in der Ovalwanne, und überraschte innen mit geraden, wasserbeständigen Einlegeböden aus Echtholz. Das wiederum ovale Acryl-Waschbecken thront auf rechteckigem Schiefer.

Beim Design muss nach der Überzeugung von Professor Horntrich eindeutig “der Mensch im Mittelpunkt” stehen. Der Originalität der Form, den Oberflächen und Materialien gebührt erst die zweite Stelle seiner vollen Aufmerksamkeit.

Dadurch wird er zum Anwalt der Verbraucher, der sozusagen verhindert, dass Umständliches, schlecht Funktionierendes, Überflüssiges mit immer neuen “Entbehrlichkeiten” produziert wird und sieht seine Aufgabe auch darin, “optische Umweltverschmutzung” zu verhindern. Er setzt dabei auf Entwürfe für die “Fertigung von intelligenten, schönen und nicht zuletzt – langlebigen Massenprodukten”.

“Gutes Design ist wie Underberg: Es tut gut – und stößt auf.” – Dieser Satz von Luigi Colani spricht ihm aus dem Herzen.

Ich zitierte aus “mein schönes zuhause”, 2/3 – 2009, S. 20 -25. Die Fotos wurden mir freundlicherweise von der Firma  Hoesch auf meine Bitte hin zur Verfügung gestellt.

SensaMare Komplettbad_a

Freitag, den 7.8.2009

Keine Kommentare

Vor einer Schwelle

Die Schauspielerin Nadja Uhl kaufte zusammen mit ihrem Lebensgefährten und etlichen Freunden in Potsdam eine alte, verfallene Villa, die über Jahrzehnte leer stand. Die Sanierungsdauer wird voraussichtlich 10 Jahre betragen und Nadja Uhl befürchtet, dass die Wiederherstellung der Villa Gutmann sie vielleicht alles kosten könnte, was sie “in ihrem Leben aufbringen kann”.

Dennoch traf sie ihre Entscheidung sehr bewusst, steht dazu und sagte in einem Interview: “Aber als ich dann dort war … Ich kann Ihnen das so schlecht beschreiben, aber es gibt diese Momente im Leben, in denen wird Ihnen bewusst, dass Sie an einer Schwelle stehen. Sie können es nicht immer deuten, aber Sie spüren ganz deutlich, dass sich gerade irgendetwas in ihrem Leben verändert. So ging es mir, als ich dieses Haus betrat.”

Wenn einem so etwas widerfährt, wenn man bei etwas oder bei jemand weiß, dass genau das, der oder die es ist und es auch irgendeine Möglichkeit gibt, sie, dieses Unerwartete, zu ergreifen, ins eigene Leben zu integrieren, zählt man zu den Glücklichen.

Dabei muss es nicht gleich um ein historisches Gebäude oder eine Wohnung in herrlichster Lage gehen, wie beispielsweise in Berlin an der Spree. Für dieses Empfinden, dieses Gefühl, dass mit etwas eine Schwelle überschritten wird, ein neues Lebensgefühl entsteht, sich etwas stark verändert, reichen schon wesentlich kleinere Anlässe.

Da braucht einem zum Beispiel nur eine weisse Ledersitzecke oder eine Wohnzimmereinrichtung aus Kirschbaum sofort ins Auge zu fallen, einen nicht mehr loszulassen und später, mit ihrem Einzug zu Hause, alles umzukrempeln …

Den Interviewausschnitt fand ich in der Zeitschrift “emotion” 04/09, Seite 30.

Sonntag, den 2.August 2009.

Keine Kommentare

Das rote Ledersofa im Wartezimmer

Bayamo_03, neu

Es lädt ein zu Geduld und zum Zeitunglesen. Denn zumindest beim Zahnarzt, wo ich heute im Notdienst wartete, war wohl vor lauter Angst und Schmerz niemand zu einem lockeren Gespräch aufgelegt. So blieb für Ablenkungsmanöver nur das Blättern im Patientenmagazin des Universitätsklinikums Leipzig, wo ich Interessantes aus der Hirnforschung fand: unter der ungewöhnlichen Überschrift “Berührung ist ein Lebensmittel”.

Interviewt wurde der Leiter des hier ansässigen einzigen Haptiklabors in Europa, Privatdozent Dr. Martin Grunwald, vom Institut für Hirnforschung der Universität. Er betont, dass ein Mangel an Berührung, die nicht Sex meine, “das Gehirn veröden” lasse, dass junge Menschen ohne Berührung nicht reifen könnten, dass bei jeder Berührung das Glückshormon Oxytocin ausgeschüttet werde, nach dem wir ein Leben lang hungern, das vor Stress schütze, Lebensenergie spende und weder durch schöne Worte oder zu Herzen gehende Filme noch sonst etwas ersetzt werden könne.

Er verweist auf die besondere Tragik dieses Umstands besonders für die alten und einsamen Alleinstehenden, die niemand mehr berühre, seit die verschiedenen Generationen nicht mehr beieinander leben und dadurch der früher für Omas und Opas selbstverständliche ständige und belebende Kontakt mit den Enkeln wegfalle.

Wenigstens eine Massage sollten sich diese Menschen hin und wieder gönnen oder sich mit Haustieren zum Kuscheln umgeben, empfiehlt Dr. Grunwald, der auch davon erzählt, dass der Tastsinn im Gegensatz beispielsweise zur Nase niemals schlafe.

Über eine bisher noch unbekannte Zahl von Rezeptoren gibt dieser Sinn Milliarden von Informationen an unser Gehirn weiter: über die Oberfläche, die Form, das Gewicht und den Bewegungszustand unserer Umwelt ebenso wie über das, was er in unserem eigenen Körper wahrnimmt.

Notwendig und angetrieben werden die Forschungen über die noch großen Geheimnisse des Tastsinns wohl vor allem auch deshalb, weil die Industrie zunehmend Dinge entwickeln will, die sich besonders gut anfühlen und deshalb beim Kaufen bevorzugt werden.

Aber unabhängig von all dem geht es mir nach dem Lesen dieses Artikels darum, Sie einmal ins Nachdenken darüber zu bringen, wie abhängig unser Entwicklungspotential von Berührungen ist – und das von der Kindheit bis ins höchste Alter.

Und vielleicht geht es Ihnen dann wie mir: Ich denke an meine diesbezüglichen Defizite, vor allem im Geben, und daran, wie leicht sich das meinen Lieben gegenüber ändern lässt. Oder?

Donnerstag, den 23.7.2009

2 Kommentare

Der “Engel von Dresden”

Wie viele Menschen langweilen sich, ob sie nun alt und einsam oder arbeitslos und arm sind. Sie alle leiden an der “Decke”, die ihnen buchstäblich auf den Kopf fällt.

Dass es auch ganz anders sein kann, demonstrierte uns unabsichtlich Sabine Ball, eine ehemalige Millionärin, die jetzt im Alter von 83 Jahren starb und diese Woche als “Mutter Teresa von Dresden” beerdigt wurde, nachdem sie über 16 Jahre für die Ärmsten der Armen und mit ihnen in Dresden gelebt hatte. In einem ergreifenden Gottesdienst wurde in der Dresdner Kreuzkirche Abschied genommen von dieser ungewöhnlichen Frau, die als ehemals Schöne und Reiche genau die Tage als arm empfand, in denen sie lediglich in der Sonne lag oder beim Shoppen Geld für Schmuck und luxuriöse Kleidung verschleuderte. Zunehmend schlechter fühlte sie sich in ihrem Leben, das sie im äußeren Glanz führte, aber innerlich immer leerer machte.

Um nicht zu erstarren – auch angesichts von Alkoholproblemen ihres Mannes -, nahm sie Abschied von diesem endlosen Nichtstun im Reichtum, das heute wie damals vielen Menschen als der Inbegriff von Glück erscheint und machte sich auf die Suche nach echtem Lebenssinn.

Das war nicht ohne schwerwiegende Entscheidungen möglich. Sie trennte sich von ihrem Mann, dem Reichtum und Luxus, suchte mit ihren zwei Söhnen zunächst Erfüllung in der Künstlerszene Kaliforniens, dann auf einem von ihr gekauften Stück Land, auf das sie Hippies und Drogenabhängige zum gemeinsamen Leben einlud, in der Hoffnung diese von ihrer Drogensucht zu befreien.

Um auch den Buddismus kennen zu lernen, der ihr zunächst viel versprach, reiste sie nach Indien, kehrte aber nach drei Monaten zurück, ohne gefunden zu haben, was sie suchte. 1971 geschah dann etwas Unerwartetes mit ihr. Sie wurde Christin, und plötzlich begann es in ihr zu strahlen und sie zu drängen, ab jetzt für andere da zu sein und ihnen zu helfen.

Daraufhin gründete die in Königsberg geborene, 1949 nach Amerika ausgewanderte Sabine Ball in Brooklyn ein evangelisches Projekt für Junkies und Straßenkinder, kümmerte sich in Kalifornien um misshandelte Frauen, eröffnete ein Schwesternhaus für sie und setzte sich in der Hospizarbeit ein.

Nach der Wende in Deutschland entschloss sich die Frau, die 1945 die Bombardierung der Stadt Dresden miterlebt hatte, in diese Stadt zurückzukehren und dort für die da zu sein, die als Kinder und Jugendliche z. T. sich selbst überlassen waren, auf der Straße lebten oder aus den verschiedensten Gründen keinerlei Orientierung für ihr Leben hatten und um Menschen, die in dieser Umbruchzeit aus der gewohnten Bahn geworfen, zum Alkoholiker oder obdachlos geworden waren. So eröffnete sie 1993 in einem abgewirtschafteten, ehemaligen Schnapsladen ihr Café “Stoffwechsel”, ein gemütlich eingerichtetes “Wohnzimmer”, in dem sie Kinder und Jugendliche, Haltlose und Abgestürzte bewirtete, mit Kleidung versorgte, sie voller Wärme tröstete und in Güte weiterhalf. Parallel dazu baute sie, am Bedarf orientiert, einen Second-Hand-Laden auf und sorgte für das Entstehen von zwei Häusern für betreutes Wohnen.

Sogar das Familienministerium wählte sie 2008 als eine der sechs Botschafter für die deutschlandweite Plakatkampagne “Alter schafft Neues” aus. Auf den Plakaten stand neben dem Foto von ihr: “Sie hat 8 Männer geliebt, getröstet, gescholten und ihnen vergeben. Alles diese Woche.”

Dieser Frau mit großer Ausstrahlung und ihrem behaglich eingerichteten Wohnzimmer für alle, die kein oder kein echtes Zuhause haben, gehört unsere Anerkennung und unser Blumenstrauß.

überspielt am 11.7.09 081

Sonnabend, den 18.7.2009

Keine Kommentare