Die Raum-Licht-Installation des amerikanischen Künstlers James Turrell, die gestern mein Blog schmückte, ging mir nicht mehr aus dem Kopf. (Mit großer Kunst soll das ja so sein!).
In dieser derzeit in Wolfsburg zu bestaunenden Lichtkunst stellt der Künstler (für mich) nicht nur einfach das Gegenteil von Lebenskunst dar, (über die ich gestern schrieb), sondern zeigt den vereinzelten, den beziehungslosen Menschen als düstere, (verlorene?), vielleicht sogar bedauernswerte Gestalt in einer rosaroten Welt.
Diese Farbe gaukelt ebenso etwas vor, wie die rosarote Brille, die man in Zeiten der Verliebtheit auf hat und die irgendwann verschwunden ist.
Für mich ist diese Kunst ein wichtiges Ausrufezeichen, eine Warnung.
Deshalb möchte ich diesen starr stehenden Personen aus dem lebendigen Kunstwerk – heute -, einen Tag nach dem Mauerfall vor 20 Jahren, ein privates Foto gegenüberstellen. Es zeigt – auf dem Augustusplatz, zwischen Oper und Gewandhaus -, einen Teil der insgesamt über 100 000 Menschen, die sich am 9. Oktober, zum Tag der friedlichen Revolution, in Leipzig aufgemacht hatten, um sich zu erinnern und deutlich zu machen, dass man sogar einen eisernen Vorhang beseitigen kann, wenn man sich gemeinsam für etwas einsetzt, für etwas Sinnvolles kämpft.
Und da ich am 9. Oktober dieses Jahres selbst mit auf dem Ring lief, auf dem damals, 1989, wohl um die 70 000 unter Lebensgefahr friedlich demonstrierten, will und muss ich das großartige Verbundenheitsgefühl dieser andächtig schweigenden Menge erwähnen. So etwas hatte ich noch nicht erlebt.
Und ich kann mir nicht vorstellen, dass einer unter den vielen sich einsam oder gar verloren fühlte …

Dienstag, den 10.11.2009
Tags: "eiserner Vorhang", "Friedliche Revolution", "James Turrell", 1989, aufmachen, Augustusplatz, gemeinsam, Leipzig, Lichtkunst, Mauerfall