Heute früh überraschte und erfreute mich eine Rundmail von Regine Möbius, der stellvertretenden Bundesvorsitzenden des Verbandes deutscher Schriftsteller und der Bundesbeauftragten f. Kunst und Kultur der ver.di, in der sie an den entscheidenden Tag der Friedlichen Revolution heute vor 20 Jahren erinnert.
Mich beschäftigt, was die Mail treffend anspricht, schon den ganzen Tag. Es wird mich auch begleiten, wenn ich ab 18 Uhr am Lichtfest “Aufbruch Leipzig -20 Jahre Friedliche Revolution und Einheit Europas” mit mehr als 20 internationalen Künstlern teilnehmen und auf dem historischen Weg der Demonstranten entlanggehen werde:
“Liebe Freunde, Leipzig, am 9. Oktober
„20 Jahre Friedliche Revolution“! Von Plakaten, in Zeitungen, in Sonntags-, Donnerstags- und Freitagsreden ist es zu hören.
Heute jährt sich dieser Tag, der letzte und entscheidende in einer langen Reihe von weniger spektakulären, aber mit nicht weniger Angst und Mut besetzten Tagen, an denen besonders Jugendliche, Basisgruppen und couragierte Pfarrer sich in den über sechs Jahre durchgeführten Montagsgebeten, in Untergrundzeitungen, in Demonstrationen gegen die eingeschränkte Meinungsfreiheit, gegen die unglaubliche Verpestung der Luft oder die kaum zu vertuschenden Wahlfälschungen mit den diktatorischen „Ordnungshütern“ des DDR-Staates kritisch auseinander setzten. Sie wussten, wie gefährlich das war, sie konnten nicht in einer großen Masse aufgehen. Es gehörte Courage und Haltung dazu, sich durch die Willkürmaßnahmen nicht einschüchtern zu lassen, die vom Studienabbruch über Ausweisbeschlagnahme bis hin zu schlimmen Schikanemethoden im Rahmen von Inhaftierungen reichten.
Diesen DDR-Bürgern, die in den zu hörenden Festreden als „Der einfache Mann auf der Straße“ genannt werden, haben wir in erster Linie zu danken, dass der Keim zu einer großen, friedlichen Bewegung gelegt wurde, die im geeinten Deutschland mündete.
An diese möchte ich heute erinnern. Sie werden kaum noch genannt von all denen, die nach zwanzig Jahren sich an die Spitze der Gedenk- und Jubelveranstaltungen stellen, sich im Schein des heute in Leipzig stattfindenden Lichtfestes baden werden.
Aber das Licht kam damals aus vielen Kirchen. Stellvertretend für sie steht die Leipziger Nikolaikirche.
Auf einem kleinen Bild mit gezacktem Rand, das seit gestern in Millionen-Auflage durchs Land geht und nur 55 Cent kostet, können alle es sehen. Ich freue mich darüber und wünsche mir, dass meine Freunde und Bekannten, trotz allen schwierigen Tagesgeschehens, sich mit mir freuen können.
Wer Lust hat, kann den im April in „politik und kultur“ von mir erschienenen Text zu diesem Thema im Anhang lesen.
Sehr herzlich grüßt
Regine Möbius”
Freitag, den 9.10.2009
Tags: "Friedliche Revolution", "Leipzig 89", Demonstranten, Leipzig, Lichtfest, LVZ, Regine Möbius