Monatsarchiv für November 2009

Die Flut

Flut

Eine Flut von Dingen wie diese Autos, eine Flut von Erwartungen an uns, eine Flut von Papier …

All das ist nicht das, wonach wir uns sehnen. Irgendjemand kündigte, (besser drohte) sogar an, die nächste Sintflut käme in Form von Papier.

Wehren wir uns, denn: Es ist besser, Deiche zu bauen, als darauf zu hoffen, daß die Flut allmählich Vernunft annimmt.”

Die Illustration von Max Dalton fand ich bei Diskursdisko. Den Satz von Gerhard Czerwensky las ich in “Die allerschönsten Geistesblitze” (Quellenangabe unter dem 29.11.2009).

Montag, den 30.11.2009

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Bitte ein bisschen langsamer

Charlie_Roberts_03
möchte ich heute Abend nur noch rufen. Aber die Zeit kennt, wie so oft, kein Erbarmen.

Bernhard Wicki drückte es so aus:
Es genügt schon lange nicht mehr, mit der Zeit zu gehen. Man muß mit ihr joggen.

Oder etwas tun gegen das überfüllte Leben? Sich trennen von manchem? Öfter Nein sagen?

Das Gemälde stammt von Charlie Roberts, das Zitat aus “Die allerschönsten Geistesblitze”, herausgegeben von Tania Schlie, Hubertus Rabe und Johannes Thiele, erschienen beim Marion von Schröder Verlag der Verlagshaus Gothestraße GmbH & Co. KG München.

Sonntag, den 29.11.2009

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Bestand oder Wert

Stuhl

Von Oscar Wilde las ich irgendwo den Satz:

Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.

Streiten kann man sich darüber, was zum Außergewöhnlichen gehört. Ist es beispielsweise der neu entwickelte Spezialstuhl zum Musikhören mit Nackenstütze, Höhenverstellbarkeit des Sitzes nach Lautsprecherhöhe, Sicherung des Fußes gegen Vibration und Fernbedienung in der Armlehne zu einem Preis von über 5000 Euro? Oder gehört zum Außergewöhnlichen eher, was mir einfach Vergnügen bereitet, obwohl es oft keinerlei Schnickschnack bietet oder nicht einmal käuflich ist?

Den Stuhl einer schwedischen Firma fand ich bei Engadget German. Das untere Foto stammt von meinem letzten Ostseeaufenthalt.

überspielt am 5.6.2009 086

Samstag, den 28.11.2009

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Überfluss, Überdruss

Sofa Ende November

Zu allem Überfluss kommt jetzt auch noch der Zahnarzttermin dazwischen, stöhnt man in Zeitnot. Dann wieder spricht man von der Überflussgesellschaft, die das Leben im Gegensatz zu früher leicht macht, aber ebenso schnell Verdruss, Überdruss bringt. “Vorliebe und Überdruß wechseln rasch”, schreibt La Bruyère.

Auch mir wich in den letzten Tagen die Freude an der Computerarbeit angesichts von Daten im Überfluss, die neu in den Online Shop eingebracht werden müssen …

Den Ratschlag auf die Frage: “Weißt du, worin der Spaß des Lebens liegt? Sei lustig! Geht es nicht, so sei vergnügt”, der sogar von Goethe stammt, kann ich in dieser Situation beim besten Willen nicht umsetzen. Aber vielleicht hilft ja eine längere Pause auf dem Sofa …

Das Zitat von La Bruyère stammt aus “Die Charaktere oder Die Sitten des Jahrhunderts”, Leipzig 1970, die Fotografie von Marie Hochhaus, gefunden bei iGNANT.

Freitag, den 27.11.2009

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Manchmal

Umarmen

leben wir wie auf der Fotografie von Carles Rodrigo.

Wir sehen nichts mehr, weil wir etwas wuchern lassen, das wir längst hätten beschneiden müssen. Oder wir umarmen, lieben etwas, verschmelzen mit ihm, obwohl es nichts als Grünzeug ist und ebensowenig Zukunft hat wie das sprichwörtliche Stroh im Kopf.

Ein arabisches Sprichwort kommentiert: “Der Mensch lernt auf eigene Kosten”.

Die Fotografie von Carles Rodrigo fand ich bei iGNANT.

Donnerstag, den 26.11.2009

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Geschickt kombinieren

St. Kits

Es muss in den eigenen vier Wänden nicht immer alles einfarbig sein.

Und ebenso kann man unterschiedlichste Materialien sehr interessant kombinieren, sozusagen so lange mit ihnen spielen, bis das eigene Zuhause unverwechselbar wird und schließlich ganz und gar zu einem passt.

Bei der Wohnlandschaft Crotone heben eine dunklere Armlehne, zwei auffallend formschöne Ablagen im selben Farbton und der Abschlussstreifen ringsum unten den helleren Teil des Ledersofas gelungen hervor, werten ihn auf und machen strapazierte Bereiche zugleich unempfindlicher.

Bei dem Ecksofa Larnaka wird durch die Kombination von glattem Leder mit weichem Strukturstoff in harmonischen Farbkontrasten ein Blickfang geschaffen, den die geschwungenen und ausgefallenen Metallbügel an den Enden des Sofas nur noch verstärken.

Larnaka_01

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Gesunde Ordnung

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Kennen Sie das?

Man hängt an den Dingen, vor allem auch am beschriebenen Papier, denkt, man wird das oder jenes ganz bestimmt noch einmal brauchen, hebt möglichst alles auf, sammelt und sammelt.

Und dann braucht man aus heiterem Himmel dringend etwas aus irgendeinem der Stapel, findet es nicht, regt sich auf, ist wütend über die beim Suchen verlorene Zeit, wühlt und zerstreut alles oder nahezu alles, schafft Chaos und weiß plötzlich, man muss etwas ändern – muss sich selbst ändern.

Dann beginnt man mit dem Aussortieren und Wegschmeißen, lebt leichter – bis die starke Erinnerung an das schreckliche Suchen blass wird und einen wieder die Sammelleidenschaft packt. Oder?

Ich gehöre jedenfalls zu denjenigen, die sich Kurt Tucholskys Satz “Die Basis jeder gesunden Ordnung ist ein großer Papierkorb” hinter die Ohren schreiben müssen und einen Gedanken lesenden Roboter zum richtigen Papiersortieren noch dringender bräuchten als die oben abgebildete Verführung zum Tischabräumen.

Den Haushalts-Roboter fand ich bei Engadget German. Das Tucholsky – Zitat stammt aus “Schloß Gripsholm” (Auswahl 1930 bis 1932. Berlin 1973. Ausgewählte Werke, Band 6, S. 265).

Dienstag, den 24.11.2009

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Eine offene Tür

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Wenn man nicht an einem selten glücklichen Ort lebt, wo Türen nicht abgeschlossen werden müssen, kann die Frage: “Habe ich die Tür beim Verlassen der Wohnung tatsächlich abgeschlossen?” leicht einen Tag oder, im schlimmsten Fall, einen ganzen Urlaub vergällen.

Wem ist es wohl noch nicht passiert, dass er zurück musste, um sich zu vergewissern oder dass er unruhig war, weil er aus Zeitnot nicht mehr umkehren und kontrollieren konnte.

Solche “unnötigen” Aufregungen hängen damit zusammen, dass wir vieles automatisch tun, damit Kraft sparen, vieles gleichzeitig machen und im Kopf haben können. Aber je mehr wir im Alltag einem zerstreuten Professor gleichen, desto größer wird die Gefahr, bei automatisch ablaufenden Handlungen auch hin und wieder einmal in äußerst wichtigen Dingen mit Aufmerksamkeit zu sparen und dadurch Verdruss oder Ärger regelrecht vorzuprogrammieren.

Die Experten empfehlen denjenigen, die das Problem mit dem gedrehten oder nicht gedrehten Schlüssel kennen, konsequentes tägliches Training durch bewusste Konzentration auf den Vorgang des Zuschließens.

Die wunderbar offene Tür, eine Installation von Rebecca Ward, fand ich bei iGNANT, die Anregung, über die schon selbst erlebte Aufregung mit der eventuell nicht abgeschlossenen Tür zu schreiben, in “emotion”, 11/08, S.67.

Montag, den 23.11.2009

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Totensonntag

Er wurde 1816 von König Friedrich Wilhelm III. von Preußen als allgemeiner Feiertag zur Erinnerung an die Verstorbenen angeordnet.

Auch wenn wir im modernen Leben so tun, als hätte der Tod darin keinen Platz mehr, er tabuisiert wird wie nie zuvor, finde ich es um unseres Lebens willen wichtig, ihn wenigstens an einem solchen Tag im Jahr nicht auch zu verdrängen.

Mit ein paar weisen Sätzen könnte man den Gedanken an den Tod einmal vorsichtig heranlassen:

“Die Menschen fürchten den Tod, so wie die Kinder das Dunkel fürchten” (Francis Bacon).

“Wahrscheinlich ist keine Menschheit je dem Tode gegenüber so ratlos gewesen wie die heutige” (Carl Friedrich v. Weizsäcker).

“Nicht nur einen Tod gibt es, der uns dahinrafft, ist nur der letzte” (L. Annaneus Seneca).

“In den meisten Fällen ist die Todesursache eines Menschen sein Leben” (Voltaire).

Ich zitierte aus “Lebensweisheiten berühmter Philosophen”, herausgegeben von Stefan Knischek in der Humboldt Verlags GmbH, Baden-Baden.

Sonntag, den 22.11.2009

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Manchmal kann man schlecht widerstehen

Clemens

Eigentlich wollte ich eben über ein ganz anderes Thema schreiben. Doch dann schneite mir ein Feed ins Haus, das mich meine heutigen Absichten über den Haufen werfen ließ.

Denn Clemens Poloczek beantwortet Fragen und lässt in seine Wohnung schauen.

Er ist der Mann, der in “seiner Freizeit auf iGNANT über Design, Fotographie, Kunst und Typographie” schreibt und auf meiner persönlichen Liste der deutschen Blogcharts den 1. Platz belegt.

Was er in seinem Blog veröffentlicht, ist nach meiner Überzeugung eine sehr sehens- und erlebenswerte Annäherung an die Vielfalt, die Fülle, aber auch die Zwiespältigkeit und die Zerrissenheit des modernen Lebens. Was er einfängt, regt zur Auseinandersetzung an.

Mein Blog und meine Leser profitieren von dieser wiederholten Begegnung mit dem Design, der Fotografie und der Kunst auf iGNANT.

Deshalb ist es mir eine Freude, meinen Lesern über das Interview “15 + 1″ und Fotos daraus (von Kai Müller, Betreiber von StyleSpion) einmal etwas Persönliches von Clemens Poloczek weiterzugeben und ihm selbst danke zu sagen.

über iGnant

Samstag, den 21.11.2009

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