Vor einer Schwelle

Die Schauspielerin Nadja Uhl kaufte zusammen mit ihrem Lebensgefährten und etlichen Freunden in Potsdam eine alte, verfallene Villa, die über Jahrzehnte leer stand. Die Sanierungsdauer wird voraussichtlich 10 Jahre betragen und Nadja Uhl befürchtet, dass die Wiederherstellung der Villa Gutmann sie vielleicht alles kosten könnte, was sie “in ihrem Leben aufbringen kann”.

Dennoch traf sie ihre Entscheidung sehr bewusst, steht dazu und sagte in einem Interview: “Aber als ich dann dort war … Ich kann Ihnen das so schlecht beschreiben, aber es gibt diese Momente im Leben, in denen wird Ihnen bewusst, dass Sie an einer Schwelle stehen. Sie können es nicht immer deuten, aber Sie spüren ganz deutlich, dass sich gerade irgendetwas in ihrem Leben verändert. So ging es mir, als ich dieses Haus betrat.”

Wenn einem so etwas widerfährt, wenn man bei etwas oder bei jemand weiß, dass genau das, der oder die es ist und es auch irgendeine Möglichkeit gibt, sie, dieses Unerwartete, zu ergreifen, ins eigene Leben zu integrieren, zählt man zu den Glücklichen.

Dabei muss es nicht gleich um ein historisches Gebäude oder eine Wohnung in herrlichster Lage gehen, wie beispielsweise in Berlin an der Spree. Für dieses Empfinden, dieses Gefühl, dass mit etwas eine Schwelle überschritten wird, ein neues Lebensgefühl entsteht, sich etwas stark verändert, reichen schon wesentlich kleinere Anlässe.

Da braucht einem zum Beispiel nur eine weisse Ledersitzecke oder eine Wohnzimmereinrichtung aus Kirschbaum sofort ins Auge zu fallen, einen nicht mehr loszulassen und später, mit ihrem Einzug zu Hause, alles umzukrempeln …

Den Interviewausschnitt fand ich in der Zeitschrift “emotion” 04/09, Seite 30.

Sonntag, den 2.August 2009.

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