“Schock deine Eltern”
las ich beim Umsteigen auf dem Bahnhof Halle auf einem Plakat. Die dortige Stadtbibliothek hat sich diesen außergewöhnlichen Aufruf einfallen lassen. Weiter ging er mit: “lies ein Buch”.
Ich muss gestehen, dass diese Aufforderung “Schock deine Eltern” meinen Schritt tatsächlich vor Überraschung stocken ließ. Ich wollte, ja musste sofort wissen, womit geschockt werden sollte und studierte das Plakat eingehend.
Es löste folgenden Film in mir aus: Die Mutter kommt von der Arbeit nach Hause, wird nicht von der üblichen, für sie stets zu lauten Musik aus dem Kinderzimmer begrüßt und ihr Sohn sitzt nicht gebannt vor Computer oder Fernseher, ist nicht genervt, weil sie ins Zimmer schaut. Denn das Zimmer ist leer. Sie schaut auf die Uhr, wundert sich, weil ihr zwölfjähriger Spross sonst freitags um diese Zeit immer zu Hause und mit nichts von seinen Heiligtümern wegzubekommen ist.
Sie geht ins Bad zum Händewaschen, ins Schlafzimmer zum Umziehen, brüht sich in der Küche eine Tasse Tee, die sie im Wohnzimmer noch in Ruhe trinken will, bevor sie sich in die Hausarbeit stürzt. Sie öffnet die Tür und lässt vor Schreck fast die Tasse fallen, denn auf der großen weißen Wohnzimmercouch liegt ihr Sohn und liest …
Freitag, den 24.7.2009
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