Auf der grünen Ledercouch (2)
Ich frage mich, ob ich die “richtigen” Augen und Ohren habe, wenn mir gegenüber, im grünen Ledersessel hinter dem weißen Couchtisch, spätabends, bei verschlossenen Türen, mit einem Mal der oder jene sitzt, die Stille unterbricht, mir Fragen stellt und mich dazu bringt, mein Buch aus der Hand zu legen, um mich in ein Gespräch zu verwickeln.
Zuletzt saß außerhalb des Lichtkegels meiner Leselampe eine Schulfreundin im Sessel. Ich erkannte sie gleich, obwohl es sechs oder sieben Jahre her sein musste, dass ich sie zuletzt gesehen hatte. Sie, Bianca, hatte ihre blonden Haare wie damals, als wir uns noch regelmäßig sahen, zu einem Schwanz zusammengebunden, saß aber im Gegensatz zu früher, wo sie immer etwas überkorrekt und angespannt wirkte, sehr locker und entspannt, mit angezogenen Beinen im weichen Leder und machte den Eindruck, als hätte sie schon mehr als ein Glas vom nichtvorhandenen Rotwein getrunken.
Ich war doppelt überrascht, sie zu sehen, denn ich hatte ihr, bevor sie sich in Schweigen gehüllt und nicht mehr gemeldet hatte, eine Bürostelle in meinem Unternehmen angeboten.
Sie war darauf eingegangen, schien sehr interessiert, hatte ein paar Mal hospitiert, war mit dem dann geplanten Arbeitsvertrag einverstanden, aber plötzlich nicht mehr erreichbar.
Donnerstag, dn 30.4.2009



