
Die vor ein paar Tagen zu Ende gegangene Kölner Möbelmesse zeigte aufs neue, dass Sitzmöbel heute viel mehr bieten müssen als nur eine Sitzgelegenheit. In herrlichsten Farben und anderen, zum Teil runden Formen sind die Leder- und anderen Sofas beleuchtet, haben Rückenlehnen, die gleichzeitig Bücherregale sind, Armlehnen, aus denen Computerbildschirme ausgeklappt werden können oder herausnehmbare Sitzflächen, die umgedreht als Tablett fungieren, wenn es gewünscht und gebraucht wird. Sogar an Liegestühlen gibt es schräge Flächen zum Hervorzaubern bei Bedarf, die es ermöglichen, den Aufenthalt im Garten angenehm zu verlängern, weil man zur Schreibtischarbeit nicht wieder zurück in die Wohnung muss.
Aber trotz dieser angebotenen interessanten Neuerungen und einem scheinbar immer schnelleren Wandel der Moden hängt der Mensch an den Möbeln, die er hat, behauptet die Forschung auf diesem Gebiet. Er will sie behalten, nicht etwas herausreißen aus seiner gewohnten “dritten Haut”, die dann so etwas wie Wunden bekäme.
Sonnabend, den 31.1.2009
Tags: Gewohnheit, Möbel, Sitzmöbel
Dass Stühle, Sessel und Sofas sich zu Designerstücken entwickelten, begann im Italien der 60er Jahre damit, dass Möbel Namen wie “Lady” oder “Fiorenza” bekamen, plötzlich keine Nummer mehr waren, sondern eine fast menschliche Identität erhielten. Um wirtschaftlich besser aufgestellt zu sein und um auf besonders eindringliche und neue Weise zu werben, waren Möbelhersteller zu dieser Zeit auf die Idee gekommen, professionelle Produktgestalter zu engagieren, deren Namen zusammen mit den von ihnen entworfenen Möbelstücken genannt wurden und diese zum Designerstück machten. Möglich wurden solche Einfälle und deren Umsetzung durch den zunehmenden Wohlstand im politisch stabilen Westeuropa. Bald sollte der erreichte höhere Lebensstandard dann auch gezeigt werden. Es entstanden immer sehenswertere und exklusivere Möbel. Nicht von ungefähr wurde im Zusammenhang mit dieser Entwicklung im Herbst 1961 in Mailand die erste Möbelmesse ins Leben gerufen, deren Bedeutung auch heute noch die der Kölner Messe weit überragt.- All dies las ich in einem Buch von Merve Eisinger “Stühle des 20. Jahrhunderts Funktionsmöbel und Designerstücke”, das mir sehr gefiel und mich auch mit seinen großartigen Fotos überraschte und anregte. Es erschien bei Klinkhardt & Biermann, Verlagsbuchhandlung GmbH, München.
Freitag, den 30.1.2009
Tags: Möbeldesigner
für die meisten, wenn die Wohnung nüchtern bis streng eingerichtet ist und auf dem Sofa kein Kissen liegt. Das Accessoire Sofakissen kann auf einfachste, oft überraschende Weise Stil und zusätzliche Eleganz in Ihr Wohnzimmer bringen. Es macht es mit geringem Aufwand wohnlicher, schöner, einladender und sorgt für mehr Bequemlichkeit. Am praktischsten sind Kissen mit abnehmbarem Bezug zum Waschen und in verschiedenen Größen für die unterschiedlichsten Bedürfnisse von Kopf-, Rücken- oder Kniekissen bis hin zum Kinderspielzeug als Baustein für Burgen und Türme.
Donnerstag, den 29.1.2009
Tags: Sofakissen
Wozu ist es nicht alles gut? Gestern las ich auf einem Bildschirm in der Straßenbahn, dass der Rückzug auf das eigene Sofa sogar eines von drei wirksamen Mitteln gegen Liebeskummer sei – neben Ausgehen und dem Einladen von Freunden und Bekannten.
Das liegt daran, dass das Sofa uns bedingungslos aufnimmt, uns berührt, fast streichelt und sogar auf angenehme Weise tröstet, weil es nichts von uns will, wenn es uns sowieso schon schlecht geht, sondern angemessen schweigt in einer Situation, in der uns die verschiedensten Ratschläge nicht erreichen, sondern nur das Gefühl verstärken, dass uns keiner wirklich versteht, dass niemand ahnt, wie sehr wir leiden.
Im Gehirn sind in solchen Zeiten des Kummers ähnliche Neuronen aktiv, wie bei körperlichen Schmerzen nach Verletzungen. Wir sollten, wenn uns Liebeskummer heimsucht, akzeptieren, dass wir so etwas wie einen schweren Schlag erlitten, Wunden davon getragen haben und Zeit brauchen, uns davon zu erholen. Gönnen wir sie uns auf unserer Couch, pflegen wir uns dort wieder gesund oder vorerst wenigstens erst einmal schmerzfrei!

Mittwoch, den 28.1.2009
Tags: Liebeskummer
Wir brauchen nicht nur die Ledercouch wieder in der Küche, sondern wollen neuerdings auch überall alles tun können. Immer größer wird unser Freiheitsdrang. Einengungen sind nichts für uns. Dazu gehört, dass wir das Netz rundum griffbereit haben – auch zu Hause, in jedem Raum und sogar im Garten. Der Trendforscher Peter Wippmann beschreibt es als: “Wir sind always on.”
Aber sind wir auch noch wirklich zu Hause? Mit den Gedanken bei der Partnerin, dem Partner, den Kindern? Für sie erreichbar, ihnen nahe, ungeteilt bei ihnen, in allen Belangen für sie da?
Wippermann nennt die Preise für das, was wir mögen – für unseren Lifestyle: “Defizite aus der virtuellen Präsenz, fehlende psychische Nähe und Substanz.”
Tags: Freiheit, Nähe, Netz
Auch in der Küche darf wieder ein Ledersofa stehen, denn die verschiedenen Wohnbereiche verschmelzen immer mehr, stellen die Trendforscher fest.
Vor Jahrzehnten galt die Abschaffung der Wohnküche als große Errungenschaft, heute wohnt man zunehmend wieder dort, bezeichnet sie allerdings zeitgemäß und fortschrittlich als “Erlebnis- und Repräsentationsraum”. Der Chefdesigner von Poggenpohl, Manfred Junker, prägte diesen Begriff und lockt mit seinen “Porsche-Design-Küchen” aus viel Aluminium, Glas und mit einem integriertem Audio-Video-System auch Männer unwiderstehlich in die Küche.
Letztere wird künftig kein isolierter Arbeitsraum bleiben, sondern neben Wohnzimmer und Terrasse zum Lebensraum werden, wieder zum Essen, Reden und auch zum längerem gemütlichem Sitzenbleiben einladen und offen, ja durchlässig zur übrigen Wohnung hin sein.
Montag, den 26.1.2009
Tags: Verschmelzung der Wohnbereiche
Flexible Sofas mit bis zu 28 verschiedenen Funktionen, regelrechte Module mit sehr unterschiedlichen Möglichkeiten der Anordnung der Einzelelemente, Verstellbarkeit der Rücken- und Seitenlehnen und oft elegant versteckter Technik – brauchen wir das? Bringen wir vielleicht uns und unseren Gast, für den wir nach einem schönen gemeinsamen Abend auf dem Sofa eine bequeme Schlafgelegenheit herrichten wollen, um wertvollen Schlaf und die Kostbarkeit der besonderen Stimmung, weil wir nach dem angeregten Gespräch bei einer guten Flasche Wein keinen Sinn mehr für Technik haben, auch keine Gebrauchsanweisung lesen wollen, aber ziemlich lange und frustriert die falschen Knöpfe drücken?
Einer der gefragtesten amerikanischen Innenarchitekten, einer, der für viele Prominente tätig war, Billy Baldwin, sagte dazu nach 60 Berufsjahren: ” Komfort ist für mich die Eigenschaft eines Zimmers, für (die Bewohner und ihre) Gäste zu funktionieren. Dick gepolsterte Sitzmöbel. Ein Tisch bei der Hand, auf dem man ein Glas abstellen oder ein Buch ablegen kann. Zu wissen, dass, wenn jemand einen Sessel verrückt ….., deswegen nicht gleich das ganze Interieur in die Binsen geht. Ich halte nichts mehr von diesen ausgetüftelten Interieurs” – zitiert aus “Verlust der Behaglichkeit” von W. Rybczynski, Deutscher Taschenbuchverlag GmbH & Co. KG, München.

Sonntag, den 25.1.2009
Tags: flexible Sofas, Wohnkomfort
Obwohl bei allen Designermöbeln weiß am beliebtesten bleibt und als Trendfarbe nicht abzulösen ist – wenn auch neuerdings in Kombination mit Rottönen, tiefem Violett, warmem Blau oder sanften Grünschattierungen -, bleibe ich bei meinem lärchengrünen Ledersofa, mache, weil ich es liebe und mich nicht von ihm trennen kann und will, was auf andere Weise in ist, meinen eigenen Wohnstilmix.
Früher kaufte derjenige, der modern wohnen wollte, die Materialien, Muster und Farben, die als Trend vorgegeben wurden, während heute Vielfalt, Vielfalt und nur die Vielfalt modernes Wohndesign ausmacht und sich dadurch in der Wohnung allerlei Zusammengewüfeltes ansammelt, das das Leben, wie es ist, in seiner Buntheit widerspiegelt. So bin auch ich in unserer Welt, in der dem Lifestyle der Hof gemacht wird, nicht von gestern, sondern auf der Höhe der Zeit mit meinem lärchengrünen Ledersofa, das es in meinem Wohnzimmer immer Sommer sein lässt.
Tags: Trendfarben, Vielfalt
liegen bereichernde Vielfalt, erfreuliche Buntheit, beispiellose Fülle einerseits und Verwirrung, Chaoserfahrung oder Ratlosigkeit angesichts eines Überangebotes von Eindrücken und Reizen andererseits. Wohl jeder kennt das abendliche Überdrussgefühl und übergroße Müdigkeitsempfinden nach einem stundenlangen Messebesuch oder einem erfolglosen Einkaufstag durch die Stadt.
Unsere Möglichkeiten zum Verarbeiten all dessen, was wir uns zumuten und in unser Leben hineinpacken, um es so reich wie möglich zu machen, es voll auszuschöpfen, sind begrenzt. Und manchmal ist das, wonach wir streben, was uns erfüllt, nicht dort zu finden, wo wir es suchen, nicht dort, wo so viel Leben zu sein scheint. Ich suche, um im Gleichgewicht zu bleiben, oft die Abgeschiedenheit.
Schon von Laotse ist der Satz überliefert: “Die größte Offenbarung ist die Stille.”

Freitag, den 23.1.2009
Tags: Verwirrung, Vielfalt
50 x 70 x 60 cm groß, weiß lackiert, auf vier Stahlbeinen – einfallsreiche, modernste Raumkunst, die etwas versteckt, von dem man nicht glaubt, dass es in dieses “Kunstwerk” hineinpassen könnte: einen ganzen Büroarbeitsplatz mit Computer, Drucker und Ablage. Oder überraschende Möbel mit weiblich runden Formen für Männer, von denen inzwischen 15% angefangen haben sollen, selbst Möbel zu kaufen statt das wie bisher Frauen zu überlassen.
Mit allen diesen Designantworten, die Sonnabend und Sonntag wieder viele Besucher zur Messe nach Köln locken werden, wird versucht, unsere Bedürfnisse, Sehnsüchte und Wünsche zu erraten und umzusetzen. Man will Begeisterung wecken, zum Kaufen verführen. Dennoch wird von Kennern auch ein “Verlust der Behaglichkeit” beklagt. Der englische Architekt Witold Rybczynski schrieb ein ganzes Buch darüber – erschienen im Deutschen Taschenbuchverlag GmbH & Co. KG, München.
Tags: Behaglichkeit, Möbel